Loadshedding

 

Nach langem Hin und Her und vielen offenen Fragen, habe ich nun einen ganz schicken, kleinen Toyota
Urban Cruiser, mit dem ich angeblich auch ungepflasterte Straßen und vor allem nach Eswatini und Lesotho fahren darf. So richtig kompetent erscheint der Mitarbeiter von Europcar leider nicht und vieles müssen wir noch und nöcher durchgehen. Irgendwann kapituliere ich und glaube ihm einfach alles. Bei den deutschen Anbietern schließt man die ungepflasterten Straßen regelmäßig beim Versicherungsschutz aus, was für Südafrika aber auch heißt, dass man an vielen Orten trotz der All-Inclusive-Versicherungsangebote, die man in Deutschland abschließt, eben überhaupt keine Versicherung hat. Wenn meine Tage hier zu Ende sind, bin ich schlauer. Oder auch nicht.

Am Wagen finde ich viele Macken, die auf dem offiziellen, von mir unterschriebenen Mangelbericht nicht vorkommen. Also wieder zurück, alles noch einmal aufnehmen, Unterschrift, losfahren und hoffen. Dennoch ist es mir möglich sehr früh in Richtung Osten aufzubrechen. Ca. 300 Kilometer liegen zur Crocodile Sand River Lodge vor mir. Außerhalb von Johannesburg liegt weites, flaches, aber auch grünes Land vor mir. Es könnte auch Niedersachsen sein, wobei es dort Wälder gibt, hier überhaupt keine. Vielleicht vereinzelt mal ein Baum. So richtig anhalten kann man nirgends. Die Erklärung folgt sehr bald in Form von Schildern, die auf einen „Crime-Hotspot“ hinweisen.

Eine Raststätte ohne alles irgendwo wäre eine schlechte Idee. An der Tankstelle wird gewarnt am Geldautomaten Geld abzuheben, es wird gewarnt jemanden zu nah ans Auto zu lassen und auch davor, dass man ungerechtfertigterweise aufgefordert werden könnte, Parkgebühren zahlen zu müssen. Entspannt ist anders. Ich freue mich auf der Strecke dann schon über das Schild „Unfallschwerpunkt“. Das kenne ich, das kann ich einschätzen.

In einem größeren Ort kaufe ich vorsichtshalber etwas Wasser und Notrationen Lebensmittel ein und fahre weiter in eine Landschaft hinein, die immer grüner wird und sich von leichten Hügeln in Richtung Gebirge entwickelt. Hier nun mit Wäldern. Was für ein Szenenwechsel. Inzwischen wähne ich mich in den italienischen Alpen. Nach einem Fehlversuch, der nach 3 Kilometern finsterster Straße in einer Orangenplantage endet, finde ich beim zweiten Versuch meine Lodge für heute. Umgeben von Büschen und Bäumen an einem kleinen Fluss mit Bergen im Hintergrund stehen traumhafte Bungalows. Leider gibt es weder Restaurant noch Internet und zudem derzeit loadshedding. Südafrika produziert zu wenig Strom und verkauft zudem von dem wenigen Strom große Teile in die Nachbarländer, wie z.B. Namibia. Die Folge ist, dass es landesweit geplante Stromabschaltungen gibt. Es gibt extra eine App, in der diese Abschaltungen abrufbar sind, so dass man sich darauf einstellen kann. Vor einiger Zeit habe ich dazu gelesen, dass ein weiteres Problem darin besteht, dass in Folge sehr hoher Arbeitslosigkeit und der folgenden Armut die Infrastruktur geplündert wird, dabei verschwinden neben ganzen Schienensträngen auch Stromleitungen.


Als ich noch kurz in die nächstgrößere Ortschaft fahren will, um dort zu essen, springt mein Auto nicht an. Problem hier: loadshedding betrifft auch das Mobilfunknetz. Es ist nicht möglich jemanden anzurufen. Ich bin also komplett abgehängt, zum Glück nur eine Stunde, so dass ich die Autovermietung erreichen kann. Alles hängt am Faktor Energie, ist diese weg, so ist die Natur grausam und zwingt mich zu einem Abendessen mit einer Packung Aufgussnudeln. Aber es erscheint die Rettung durch die Nachbarn. Sie machen ein BBQ mit Unmengen Steaks (ich zähle 12) für zwei Personen und laden mich zum Essen ein. Das afrikanische BBQ besteht aus jeder Menge Fleisch und einer Flasche Whisky. Ich halte mich an Bier. Zusammen mit den Nachbarn schaffen wir es dann jemanden von Europcar hierherzulotsen, der aber auch nur feststellen kann, dass die Batterie im Eimer ist und der Wagen morgen getauscht werden wird, dauerhaftes loadshedding quasi. Ich soll lediglich morgen früh erst einmal ausprobieren, ob die Batterie dann wieder leer ist und dann anrufen oder eben direkt die 45 Km bis zur Station fahren. Es hätte jetzt (fast) keinen besseren Ort für die Panne geben können. Mein Schutzengel leistet schier unglaubliche Arbeit. Beim 5. Vollmond meiner Reise lausche ich den Geräuschen der Natur. Es ist laut :-)



 


 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Delinquenten

Tartarugas

Einkaufsbummel