Man spricht Deutsch
In jeder Lodge, auf jeder Tour liegt man fast hundertprozentig richtig, wenn man darauf tippt, dass der jeweilige Mitreisende aus Deutschland oder aus den Niederlanden kommt. Der Rest ist dann vielleicht noch aus der Schweiz oder Großbritannien. Damit kann man, so man denn will mit der eigenen Sprache ganz gut Gespräche führen. Manchmal wünschte ich mir dennoch nicht alles zu verstehen, was "die Beate" oder "der Manfred" so zu sagen haben. Insbesondere in Gruppenkonstellationen geht es dann um "Inspektor Barnaby" oder den Rauhaardackel des Nachbarn.
Auf der Tour vom Vormittag rund um die Spitzkoppe jedenfalls ging es rein Deutsch zu. Wir erklimmen den Pondok, auf dem fast oben ein kleines Hochplateau liegt, das "Bushman's Paradise" genannt wird. Nun habe ich vollends ein Déjà-vu. Neben einer Kette als Aufstiegshilfe steigt man den nackten Felsen hoch. Genau so bin ich vor 35 Jahren auf den Ayers Rock in Australien gestiegen. Es fühlt sich an, als würden sich langsam große Kreise schließen. Nie hätte ich damals gedacht, dass ich dreieinhalb Jahrzehnte später ähnliches in Namibia auch tun würde. Dort oben lebten in bestimmten Zeiten des Jahres Nomaden, geschützt auf der Höhe und teils unter einem großen Felsvorsprung.
Für die Jagd stieg man herab. Wer dazu nicht in der Lage war, weil z.B. malat, malte Schulbücher an die Wände. Auch hier sind wieder uralte Felsmalereien zu finden. Wieder Tiere, aber im Unterschied zu Twyfelfontaine jede Menge Menschen. Grandios. Unten am Berg gibt es noch das kleine "Bushman’s Paradise". Wieder Felsmalereien und ein großer Vorsprung. Zum Schluss umfahren wir das ganze Gebiet noch einmal und ich starte die Tour zur nächsten Unterkunft. Eigentlich wollte ich direkt zum Atlantik, so dass ich dort noch etwas Strecke am Ozean haben würde. Das streiche ich aber, da mein Tank das nicht mehr hergibt und ich auf dem Weg zu spät an eine Tankstelle käme. So geht es super geteert direkt nach Svakopmund, wo recht bald die ersehnte Tankstelle kommt. Der Wagen sieht von innen und außen furchtbar aus. Das bemerken auch die Jungs von der Tankstelle und im Nu ist der Wagen außen fast perfekt sauber. Kurz überlege ich sie im Wagen einzuschließen, damit es auch da wieder etwas staubfreier wird. Dazu bräuchte ich aber Zeit, die ich nicht habe. Etwa 25 Kilometer vor Svakobmund fahre ich über einen Hügel und, ungelogen, die Temperatur stürzt von 37°C auf 18°C ab. Angenehm und auch gleichzeitig beängstigend. Doch das Gefühl des Genusses überwiegt. Ich bin in vertrauten Temperaturbereichen in staubfreier Umgebung mit perfektem Internet. Fast drei Wochen war ich fernab davon. Heute Morgen habe ich mein Ladekabel (leider Spezialkabel) für meine Uhr nicht finden können und kurz gegoogelt, ob es in Svakobmund einen Händler gibt. Leider fand ich nur einen Fahrradhändler. Während ich der Dame ausgiebig auf Englisch das Problem schildere, kommt eine Kundin in den Laden und die beiden sprechen kurz auf Deutsch. Das macht die Sache einfacher. Leider kann mir die Dame nicht helfen, ruft aber im 30 Kilometer entfernten Walfis-Bay an, wo der Großhändler für Garmin für ganz Namibia stationiert ist. Und siehe da: es gibt ein Kabel und ich fahre da mal eben hin und kaufe es. Wahrscheinlich gibt es in Afrika, südlich des Äquators nur EIN einziges Kabel. Und ich bin am richtigen Ort. Nach all der Aufregung esse ich im Cafe "Anton" ein Stück Herrentorte.
Ein Cafe mit dem Charme der ausgehenden 70er Jahre und das alles auf Deutsch, mal abgesehen davon, dass die sämtlichst Schwarzen die Sprache nur teilweise sprechen. Einem kleinen Stadtbummel, die Fußgängerzone gleicht dem Factory-Outlet in Dallgow-Döberitz, folgt das Abendessen mit Spätzle im "Brauhaus", natürlich wieder auf solidem Norddeutsch. Alles dreht sich. Ich fühle mich in einem Nordseebad, die Weihnachtsdeko startet im Schaufenster, alle reden Deutsch, ich komme gerade nicht mehr so ganz mit....
Dann sehe ich noch einen Stand von christlichen Bekehrern mit folgendem Spruch:
Bisher war mir beigebracht worden, dass der Teufel ein böses Wesen sei, das die Menschen in großes Unglück stürzt. Nun, hier werde ich gerade eines Besseren belehrt. Genau das, was auf dem Schild steht, habe ich ausprobiert und er hat absolut Recht: es ist ganz wunderbar so zu leben, ich habe es nicht eine Sekunde meines Lebens bereut. (Ich bin mir nicht so sicher, ob diese Botschaft von denen beabsichtigt ist 😂.


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