Sambesi

 


Unmengen an Fotos bilden auf meinem Computer ein wirres Durcheinander. Ca. 7000 haben sich angesammelt. Bisher habe ich es nicht vermocht da etwas Ordnung reinzubekommen. So sitze ich und reise die letzten 4 Wochen noch einmal. Es gibt dabei eine Entwicklung: am Anfang habe ich wirklich noch JEDES Impala fotografiert, verschwommen, von hinten, zu dunkel – egal. Völlig unverständlich aus der heutigen Perspektive. Erstaunlich wie schnell man sich so an alles gewöhnt. Der Plan ist eigentlich am Abend zum Sambesi ins Luxushotel zu fahren und dort dann den Sonnenuntergang anzuschauen. So sortiere ich am Pool Fotos und höre ungewollt dem etwas fülligeren Herrn zu wie er mit mindestens 5 Damen telefoniert und anscheinend alle sehr lieb hat. Auf jeden Fall höre ich viele „I love you’s“ und es sind immer andere Damen, seine Mutter ist, so glaube ich, nicht dabei. Die Damen am anderen Ende sind auf jeden Fall höchst erfreut und ganz giggelig.

Gegen Mittag bekomme ich jedoch Hummeln im Hintern und muss einfach losziehen. Auf dem Weg zum Fluss liegt das Museum Livingston, im Wesentlichen ein Naturkundemuseum, ein wenig auch historisches Museum. Gezeigt werden archäologische Fundstücke in chronologischer Abfolge, wobei es von der Eisenzeit direkt ins 17. Jahrhundert geht. Höflich ausgedrückt: kein Chichi, Fakten, Fakten, Fakten. Kurz und knackig. Es folgt ein nachgestelltes Dorf aus der Urzeit mit Originalsandboden (man hat hier einfach keinen Boden eingebaut), eine Tierschau, auch wieder kurz und knackig, um dann direkt in ein weiteres nachgestelltes Dorf überzugehen. Das ganze Museum wirkt, als sei es vor 70 Jahren entstanden. Das zweite Dorf war ganz sicher zur Entstehungszeit zeitgenössisch und ist inzwischen museumsreif geworden. Das ist vorausschauendes Kuratieren. Beeindruckt haben mich einige alte Mythen, wie z.B., dass der Elefant aus allem Fleisch der Tiere bestünde, weswegen er von fast niemandem gejagt wurde, weil man sonst ja eigenes Fleisch fräße/äße. Und der Sambesi-Rivergod, von dem ich gestern schrieb, lebt/e hier in den Schluchten der Victoriafalls, was dazu führt/e, dass die Menschen über Jahrhunderte dort nicht hingingen. Daher war das auch immer ein Schutzraum für alle Wildtiere, denn dort jagte sie niemand.


 

Dem Missionar David Livingston (19. Jahrhundert) – Namensgeber der Stadt und erster Weißer, der die Victoriafalls entdeckt hat – sind zwei von den 10 Räumen gewidmet, inclusive detailliertem Stammbaum und Wohnort der jüngsten Nachkommen, Originalbriefen, Mantel und vielem mehr. Hier verlässt man das Konzept ‚kurz und knackig‘. Leider! Zum Schluss gibt es 3 Räume mit der politischen Geschichte des Landes. Gut gemacht ist das Relief der Victoriafälle/des Sambesi. Der Sambesi ist der viertgrößte Fluss Afrikas und der größte, der in den indischen Ozean fließt.

Ins Auge springt mir der hiesige Zebrastreifen. So ist es korrekt. Er bildet genau die Zeichnung des Steppenzebras ab. Die Zebrastreifen in Deutschland sind da völlig falsch gezeichnet. Überhaupt: ist das nicht kulturelle Aneignung?! Wir sollten auf Kuhflecken umstellen. Die Parteianhänger mancher Partei würden sich hier sowieso wahlweise täglich züchtigen, weil sie so vollständig komplett mit ihren ganzen woken Thesen hier so gar nicht zurechtkämen bzw. wegen rassistischer Bemerkungen 24/7 Anzeigen bei der Polizei machen. "Ey, weißer Mann, gibt mir Geld"; ist einer der harmlosen Rufe. Gestern auch gehört: "Möge der Satan dich holen."

Mit dem Taxi geht es weiter zum Hotel Radisson Blue für den Sonnenuntergang. Das Taxi verzichtet auf alles Überflüssige. So fehlen Fenster, bis auf die Windschutzscheibe, Türgriffe innen, der Sitz ist irgendwie nur theoretisch vorhanden usw.. Man konzentriert sich auf das Wesentliche: Lenkrad und Bremse. Im Hotel angekommen, entgegnet der Bedienstete auf meine vorsichtige Frage, ob ich, obwohl von außerhalb, trotzdem hier auf dem Hotelgelände sitzen dürfte, mit einem Gesichtsausdruck, den ich schlecht deuten kann, dass ich trotzdem ein V.I.P sei. So sitze ich entspannt auf dem ‚Viewdeck‘, lese, denke nach und mache mir bei 37°C bewusst, dass gerade Mitte November ist. Was soll ich zum Sonnenuntergang sagen: dramatisch halt 😊 


 


Interessanter Fakt zum Hotel. Es ist mit Elektrodrähten abgesichert, man fühlt sich wie in Jurassic Park. Es sind hier aber die Elefanten und Nilpferde, vor denen man das Gelände absichert. Die Elefanten ziehen hier oft entlang und wandern durch eine Furt im Fluss nach Simbabwe hinüber und wieder zurück.

Vom gestrigen Taxifahrer habe ich die Nummer, schicke ihm eine Nachricht und er fährt mich gut und sicher nach Hause. Ein angenehmes Gefühl sich nach kurzer Zeit mit Einheimischen zu verknüpfen. Als ich im Hotel ankomme, werde ich von der Vertretung meines Lieblingsrezeptionisten und Großcousins begrüßt, dass ich also der Deutsche sein, der so toll wäre. Ich glaube das mal 😊

Das Abendessen genieße ich am Pool und werde heute nicht wie üblich von Trischa bedient, sondern von Tracey. Sie startet ein Gespräch mit mir, fragt woher ich komme und ob ich verheiratet wäre. Als ich ihr von meinem Ledigenstatus erzähle, ist sie sehr besorgt, ob meines Wohlergehens und bietet mir umgehend ihre Telefonnummer an, damit es mir besser gehe. Sie sei ja schließlich auch nicht verheiratet. Mir liegt schon auf der Zungenspitze, bereit zum Absprung, sie zu fragen, ob sie einen Bruder hat und mir vielleicht seine Nummer geben könnte, das wäre meinem Wohlergehen ganz sicher sehr zuträglich. Aber das verkneife ich mir vernünftigerweise. Auch ihre Telefonnummer lehne ich ab. Beim abendlichen Bier spreche ich noch eine Weile mit der südafrikanischen Gruppe aus Johannesburg, bevor diese in den Club gehen. Ihre Frage, ob ich gern mitkommen würde, verneine ich. Alles hat seine Zeit.

Ohne es heute Morgen zu hoffen gewagt zu haben, endet ein völlig unsortierter Tag authentisch und schön.


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