Sambia

Ein Land, das ich nur wegen der Victoria-Wasserfälle am Sambesi gewählt habe und bisher eigentlich gar nichts darüber weiß. Die Informationen zu den Einreisemodalitäten habe ich auf der Landesseite recherchiert und habe nun alles zusammen. Früh morgens um 4.00 Uhr soll mich der Taxifahrer in Windhuk abholen, kommt aber gut 20 Minuten zu spät – nach african time - somit eigentlich pünktlich. Dass ich nun etwas unter Zeitdruck bin und das wohl auch offensichtlich kommuniziere, fängt er damit auf, dass er die 45 Kilometer in völliger Dunkelheit zum Flughafen durch das afrikanische Buschland mit gut 120 fährt, entspannt mich hinsichtlich der Ankunftszeit, führt aber dazu, dass ich hoffe, wir nur mit einem einzigen Tier in Kontakt kommen, und das ist mein Schutzengel. Der verrichtet seine Dienste aufs Neue hervorragend.

So bin ich um 4.50 Uhr am Flughafen, nur um dort zu warten, dass der Check-Inn-Schalter öffnet. Eigentlich um 5,00 Uhr, aber african time auch hier: zwanzig nach geht es los. Früher wäre auch nicht nötig, denn es gibt so früh nur meinen Flug und mit mir sind lediglich etwa 20 Personen an Bord. Die sind schnell abgearbeitet. Da im Flieger alle Passagiere auf einem Haufen sitzen, muss zunächst ausbalanciert werden, bis der Pilot sich gut genug zum Starten fühlt. In Johannesburg ein kurzer Aufenthalt und gleich geht’s weiter nach Livingstone an der Grenze zu Simbabwe. Auch hier muss ausbalanciert werden, denn auch dieser Flieger ist gähnend leer.


Im Landeanflug auf Livingstone überfliegen wir den beeindruckenden Sambesi. Das Herz macht einen Hüpfer. Und schließlich stehe ich in einer kleinen Halle am Einreiseschalter, fein sortiert mit allen Dokumenten, die ich in mühevoller Kleinarbeit zusammengesammelt habe, vor mir 4 auf engstem Raum zusammensitzende Staatsbedienstete. Einer fragt lediglich nach meinem Pass und malt darin rum, greift mal links, mal rechts nach Stempeln, die ihm wiederum immer wieder, verärgert von den anderen, aus der Hand gerissen werden. Rumms, Stempel drin, eingereist. Ich bleibe mit einem großen Fragezeichen stehen, denn was ist nun mit all den Dokumenten, worauf er mich fragt, ob es mir gut geht. Äh, ja, alles gut. Nüschte wird verlangt. Sambia macht sich locker.

Die zwanzig Koffer stehen schon am Zoll, ich bin in Sambia und werde begrüßt von Trischa, der Hotelbediensteten. Es ist heiß und hier dazu tropisch. Eine kurze Fahrt bringt mich in die Stadt, die im Grunde lediglich aus einer Hauptstraße, der Mosi-Oa-Tunya-Road, besteht. Hier ist alles zu finden, was man so zum Reisen braucht. Eine Kreditkarte funktioniert leider nicht, aber die Ersatzkarte, so dass ich mit Kwatcha (wie Quatsch) ausgestattet bin. Eine Simcard gibt es für eine Woche für 2 Euro. Ich bin wieder voll funktionstüchtig. Die Straße ist voll. Überall sitzen Sambier, manche arbeiten, manche quatschen nur. Etwa 20 Millionen Menschen leben in Sambia, die Hälfte davon Kinder und Jugendliche. Im Jahr 2000 waren es noch 10 Millionen, prognostiziert ist eine weitere Verdopplung bis 2050.


Viele Kerle tragen Socken in den Badelatschen und Schlapphüte oder Pudelmützen auf dem Kopf. Das war in Namibia auch so, sehr hübsch. Insgesamt wirken die Sambier reservierter. Da muss ich noch ein Gefühl für entwickeln. Als ich nach getaner Arbeit ins Hotel zurückkomme, steht nach dem Schichtwechsel an der Rezeption ein junger Mann und fragt mich aufgeregt, ob ich Mr. S. sei. Er sei, seit er die Buchung gesehen hatte, ganz aufgeregt, denn sein Großvater hieß genauso. Und schon haben wir ein langes Gespräch, in dem wir herauszufinden versuchen, ob wir vielleicht Groß-Cousins sind. Die Hausaufgabe für ihn heute ist die genaue Herkunft seines Großvaters zu erkunden. Sambia war bis in die 60er Jahre ein Teil der britischen Kolonie Rhodesien, das Land von weißen Farmern bestellt. Vieles wurde übernommen, so als Amtssprache Englisch und der Linksverkehr. Auch vieles in der Gesetzgebung ist geblieben, unter anderem der Umgang mit den Menschen, die man in der DDR „musikalische“ nannte. Ein Fehltritt in diesem Bereich führt bis zu einer lebenslangen Haftstrafe.

An meinem Zimmer am Pool komme ich entspannt an – 8 Tage Sambia liegen vor mir.


 

 

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