Staub
Im Moment bin ich einfach nur staubig. Die Koffer lasse ich in dieser sehr offenen Unterkunft wohlweislich im Auto, so dass diese wenigstens einigermaßen staubfrei (innen) bleiben. Alles, was draußen lagert, setzt über kurz oder lang eine dicke Schicht Staub an. Allem voran natürlich das Auto. Und dabei bin ich noch gar nicht wirklich in der Wüste angekommen. Mit Ausnahme der Hauptstraße gibt es hier nirgendwo gepflasterte Straßen. Die Menschen in den Siedlungen sind jedes Mal, wenn ein Auto vorbeikommt, komplett gepudert. Sauber ist hier ein zeitlich extrem begrenzter Zustand. Man muss sich dem ergeben, sonst wird man unglücklich. Am Morgen dann bringt mich der Staub, besser gesagt Sand, zum Stillstand.
Schon der Versuch lediglich meine Buschhütte im Camp zu verlassen, endet damit, dass sich das Auto tief einbuddelt. Alle vorher für diese Fälle recherchierten Anweisungen, Räder gerade, vor und zurück fahren, führen nicht zum Erfolg. Auch ein Emil ist nicht greifbar, der das Auto in den USA so wunderbar rausgeschoben hatte. Ich rufe meinen Paddler von gestern und einen weiteren Angestellten zu Hilfe. Gemeinsam bekommen wir den Wagen befreit, nur um gleich wieder festzustecken. Aber auch diese Situation wird, nun mit 6 Personen, gemeistert. Allradantrieb wäre was Feines. Mir graut vor der wirklichen Abfahrt später nach dem Frühstück. Mit höchstem Respekt und dem ständig hämmernden Befehl im Kopf: nicht anhalten!!!!, schaffe ich die Strecke mit nur wenigen Adrenalinstößen bravourös, sorge mich jedoch vor den zukünftigen Strecken, auf denen dann keine 6 Personen verfügbar sein werden. Auf der Fahrt zum nächsten Ziel nehme ich mir vor, eine Schippe zu kaufen. Guter Vorsatz, aber wo? Ich passiere nur kleinere Dörfer mit höchstens mal einem Minimarkt oder einer Nightbar, aber ansonsten sieht hier nichts danach aus, als könnte man eine Schaufel kaufen. Kleiner Exkurs: ich sehe in fast jedem Dorf eine Hütte, die als Club bzw. Kneipe fungiert. Supermärkte gibt es hingegen fast nirgends. Die Lösung für das Schippenproblem findet sich in Rundu, einem etwas größeren Ort, der sogar einen KFC hat.
Dort sehe ich einen größeren Agrarhandel, Zufahrt nur wieder über sehr staubige Straßen. Und siehe da: es gibt eine kleinere Auswahl an Schaufeln, sogar das Modell "Lady Pink" komplett in rosa :-). Meine Entscheidung fällt auf die stattlich männliche (grrr) Großschaufel für 9 Euro. Ich hoffe sie NIE zu brauchen, fürchte aber eher DOCH. Derweil hat sich ein Junge meines Autos angenommen und es bewacht. Ich bin froh, dass ich just seit heute mit kleineren Packungen Lebensmitteln reise, so dass ich ihn damit entlohnen kann. Aus der Geschichte in Windhuk habe ich gelernt. Auch dieser Kerl hat es offensichtlich nötig.
Schon mittags erreiche ich die neue Unterkunft, die auch eine höchst staubige Anfahrt hat, die sich mit dem maskulinen Großwerkzeug im Kofferraum aber fast lächerlich anfühlt. Man fühlt sich mit Schaufel schon sehr männlich :-))) Hyänen sind zukünftig ein Witz für mich.
Wieder am Okavango-Fluss steht ein Camp, in dem Großzelte direkt am Flussufer stehen. Mit zelten hat das nichts mehr zu tun. Es ist ein ca. 35 Quadratmeter großes, mit allem Komfort - vom Sofa über Himmelbett, Kühlschrank und Badewanne - eingerichtete Luxusanwesen. Und das absolut überirdisch Tolle ist: vollständig staubfrei! Ich genieße den Nachmittag mit sauberen Schläfchen, entstaube meine Klamotten und genieße dieses geniale Gefühl auf einem Sofa zu sitzen und auf den Fluss zu schauen, auch wenn man sich hier auf einem Sofa wirklich völlig deplatziert fühlt.
Die Bootstour für morgen ziehe ich auf heute vor. Es ist inzwischen fast müßig zu erwähnen, dass es zum Sonnenuntergang wieder hoch spektakulär am Himmel zugeht. Offensichtlich geht es immer noch dramatischer. Ich spare mir die Beschreibung und verweise auf die Bilder.
Das Camp ist an einem Nebenarm des Cubango-Flusses (Okavango) gelegen. Hier kommen die Flusspferde nicht her, so dass es für die Dorfbewohner relativ sicher ist zu schwimmen und Wettkämpfe mit dem Boot zu veranstalten.
Wenn man mal von der grünen Mamba absieht (möglicherweise ist es aber 'nur' eine Baumschlange), die hier am/im Fluss heimisch und ziemlich giftig ist. Offensichtlich sind sie es gewohnt fotografiert zu werden und posen ganz süß (nicht die Schlangen). Auf der anderen Seite des Flusses befindet sich bereits Angola. Der Grenzübertritt ohne Genehmigung ist nicht gestattet, dennoch gehen/fahren viele in die jeweils andere Richtung. Nicht wenige Angolaner gehen hier arbeiten bzw. zur Schule.
Wie manches Mal am Morgen dachte ich auch heute: was soll schon heute groß an neuen Erlebnissen kommen und nun sitze ich am Abend da, heute mal auf dem Sofa, und bin völlig erfüllt und platt, ob der vielen Erlebnisse und Eindrücke.




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