Victoria Falls Teil 1
Die Wasserfälle sind sehr übersichtlich, denn die Trockenzeit hält an. Eigentlich müsste es im November schon viel regnen, doch auch hier ist der Klimawandel in vollem Gang. Die Stadt ist offensichtlich auf Regen eingestellt, am Straßenrand gibt es große Abwasserrinnen, die wohl auch gebraucht werden, denn wenn es regnet, dann ordentlich. Die Vorhersage gibt das aber weiter nicht her. Ich nehme mir ein Taxi und lasse mich die 10 Kilometer an die Grenze zu Simbabwe fahren, wo auf der sambischen Seite auch gleich der Eingang zum Nationalpark liegt. Beide Länder teilen sich jeweils zur Hälfte die Wasserfälle und wenn man beide sehen möchte, dann ist es nötig in das jeweils andere Land zu gehen. Vor der Brücke stauen sich LKW, Radfahrer und Fußgänger können direkt durchgehen.
Zumindest einmal schnuppern möchte ich und gehe zur Absperrung zur Brücke, die beide Länder verbindet, die berühmte Victoria-Bridge. Sie liegt im Niemandsland und man benötigt einen Passierschein in der Ausreisehalle, der einem ohne bürokratischen Aufwand ausgestellt wird. Ich bekomme ihn, obwohl ich meinen Reisepass nicht dabeihabe. Die Dame am Checkpoint nimmt mir diesen Passierschein direkt ab und beruhigt mich, als ich etwas nervös nachfrage, wie ich denn nun wieder zurück nach Sambia komme. Sie hätte mich gesehen und das sei alles kein Problem. Die Brücke ist uralt und beeindruckt, nicht zuletzt deswegen, weil die LKW sie schwer zum Schaukeln bringen. Es ist immer nur jeweils ein Fahrzeug zur selben Zeit erlaubt. Das ist sehr nachvollziehbar, wirkt die 1905 gebaute Brücke doch nicht so richtig instandgehalten. Knapp 120 Meter darunter fließt der Sambesi mit seinen Krokodilen, derzeit nicht reißend, aber immer noch gut gefüllt. Von der Brücke wird Bungee angeboten. Zwei Touristen machen das. Es sieht spannend aus und es juckt mich, aber ich widerstehe und hebe mir dieses 'zum-ersten-Mal-Gefühl' für ein anders Mal auf. Auch, weil die Springer von oben betrachtet in Beißhöhe der Krokodile baumeln. Ein Mann spricht mich an und wir reden recht lange über die Gegend, die Leute und vieles mehr. Er ist selbst aus Simbabwe und lebt seit 2012 in Sambia. Folglich ist er nach eigenem Bekunden ein "Simsam". Verlassen hat er das Land damals, nachdem die weißen Farmer unter Robert Mugabe enteignet worden waren und das Land verlassen mussten. Die Folge war Arbeitslosigkeit für die Farmarbeiter, aber viel schlimmer: die Farmen wurden nicht mehr oder nur schlecht bewirtschaftet, was zu großen Hungersnöten führte. Die Folgen spürt das Land immer noch. Es herrscht bittere Armut. Dieser Herr ist - wie praktisch - Souvenirhändler und leitet das Thema irgendwann sehr geschickt und höchst charmant in diese Richtung. Und: noch praktischer: er hat in Laufweite seinen kleinen Laden an der Brücke aufgebaut. Es ist nichts umsonst! :-) Aber am praktischsten ist, dass ich tatsächlich ein Amulett suche, das er vorrätig hat und so gehen wir in die Verhandlung. Das Argument das Amulett wirke nur, wenn man vom Sambesirivergod den männlichen UND den weiblichen Teil habe, kann ich ja noch nachvollziehen. Warum aber nun noch sämtliche Freunde und die Familie damit bedacht werden müssen, erschließt sich mir nicht. Sein Argument lautet, dass ich schon enorm sparen würde, wenn ich mehr kaufe. Ich wähle zwei 'Jungs' und wir finden einen für beide akzeptablen Preis.
Als ich zurück nach Sambia will, ist die Bedienstete nicht da und mir wird mitgeteilt, dass die Einreise nur mit dem Reisepass möglich sei. Mein Herz setzt kurz aus. Also gehe ich zur Einreisestelle und bettele, dass ich zurückdarf. Begleitet von einem gefälligen Lächeln erhalte ich dann wieder einen Passierschein und bin zurück. Eine Weile bin ich sehr wach.
Im Victoriafalls Park sieht man zwar gewaltige Fälle - im Vergleich zu den vielen "Wasserfällen" der Welt toppen sie annähernd alle, aber im Vergleich zur Regenzeit sind es dann eher Rinnsale. Immerhin ist dieses der größte Wasserfall der Welt. Anscheinend ist alles Wasser bei den anderen gewaltigen Wasserfällen: Iugazu in Brasilien. Von weitem sieht man die Fälle auf der Seite von Simbabwe und mir wird klar, dass ich nicht umhin kommen werde an einem der nächsten Tage dorthin zu gehen. Aber nichtsdestotrotz beeindrucken die Wasserfälle auch so. Die Fallhöhe liegt bei 100 Metern und an einigen Stellen bilden sich Regenbogen in der Gischt.
Ich übe mit der Kamera und erhalte mich sehr zufriedenstellende Ergebnisse. Für den Rückweg organisiert mir ein sich selbst als Taxibeauftragter junger Mann eine Rückfahrt. Der Taxifahrer gibt mir viele Tipps, was ich noch so alles machen kann, und nun habe ich einen Kontakt, der mir vertrauenswürdig erscheint und mich auf Zuruf fahren wird. Die Dinge fügen sich.
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