Victoria Falls Teil 2
Simbabwe, heute wage ich mich dorthin. Das Land hatte ich grundsätzlich ausgespart, nachdem ich die Seite des Auswärtigen Amtes gelesen hatte. Nimmt man diese Seite ernst, so wird eigentlich jeder Europäer direkt bei Ankunft wahlweise überfallen oder entführt, gern auch zeitgleich mit Kreditkartenbetrug und Gefängnisaufenthalt. Ja, ich verstehe, dass man versucht zu Vorsicht zu animieren, und dass man befürchtet, man hätte bei der Aufzählung der schlimmen Dinge irgendetwas vergessen. Aber es ist schon viel „german Angst“, die da zum Ausdruck kommt. Ginge es danach, dann wäre der sicherste Ort das eigene Land mit Vollversicherungsschutz. Mich erinnert das ein wenig an eine alte Dame auf dem Land in Niedersachsen, die jeden Tag ‚Brisant‘ anschaut und glaubt man wäre in der Hauptstadt, sobald man die Wohnung verlässt, seines Lebens nicht mehr sicher. (ich hoffe, dass ich diese arroganten Zeilen nicht irgendwann bereue)
Der Weg endet heute also nicht im Niemandsland auf der Victoria-Bridge, sondern führt mich zur Einreisestelle in Simbabwe. Der Grenzbeamte ist schwer beschäftigt sich mit seinen Kollegen zu amüsieren und bedient mich eher nebenbei. Multitasking funktioniert. Bis auf die Tatsache, dass man hier 30 US$ zahlen muss, unterscheidet sich nichts von der Einreise nach Sambia. Was mir blöderweise erst in Simbabwe auffällt, ist, dass ich vergessen habe meine Kreditkarte für Simbabwe freizuschalten. Das nachzuholen ist ohne Internet schwierig. Ich frage einen Security-Jungen, der höchst freundlich diverse Vorschläge macht, von denen ich den zum nächsten Hotel zu gehen und dort einen WLAN-Zugang zu erbitten, wähle. Zum Dank gebe ich ihm später ein kleines Trinkgeld und bestehe auf ein Foto. Das mit der Ausleuchtung eines Schwarzen im Schatten (welcher Afrikaner ist so blöd und stellt sich in die pralle Sonne?), der zugleich noch ein Basecap trägt, gestaltet sich als unmöglich. Man sieht lediglich eine Silhouette, in der eine weiße Linie strahlt – die Zähne. Wir beide lachen Tränen bei der Ansicht und wählen beim zweiten Anlauf dann doch die pralle Sonne. Nun habe ich die Landeswährung: US-Dollar. Die einheimische Währung ist faktisch wertlos und unterliegt einer galoppierenden Inflation. Niemand hat ihr mehr vertraut, so dass der US-Dollar offizieller Standard geworden ist. Es werden mir uralte Zimbabwe-Dollarscheine angeboten im Wert von Billionen und Trillionen. Die Nullen passen gar nicht mehr drauf. Sie werden als Souvenir verkauft. Überhaupt sind sehr viele Souvenirhändler unterwegs. Alle ohne Zweifel sehr bedürftig, aber ich wüsste nicht, wie ich die 3 Meter hohe Holzgiraffe in meinem Handgepäck nach Hause bringen sollte. Ein Souvenirhändler ist durchaus einsichtig und meint ich könnte natürlich nicht ganz Afrika retten (recht hat er) und bittet mich ihm etwas zu essen zu kaufen. Gesagt, getan. In der Tankstelle wird er verpflegt und wir unterhalten uns im Anschluss noch ein wenig. Die Situation in Simbabwe hat sich auch nach dem Abgang von Mugabe nicht verändert. Im Gegenteil. Die Staatseinnahmen aus vielen Bereichen fließen nun noch ungenierter in die Taschen der „fat old cats“. Man vermutet, dass der derzeitige Staatspräsident nicht vor seinem Tod gehen wird. Den Menschen könnte es um einiges besser gehen, und dass es das nicht tut, liegt nicht (nur) an fehlender Hilfe aus den westlichen Ländern. Die deutlich schlechtere wirtschaftliche Lage hier im Vergleich zu Sambia oder Namibia, ist auf jeden Fall offensichtlich.
Ich möchte das koloniale „Victoria-Falls-Hotel“ besuchen und übersehe beflissentlich das Verbotsschild für Externe. Alles sehr schick gemacht, direkter Blick auf die Victoriafalls-Bridge, einen Kaffee verweigert man mir aber. Man möchte in grenzenlosem Reichtum unter sich bleiben. Das Zimmer kostet hier 800 Euro die Nacht, das Jahreseinkommen eines normalen Bürgers hier wird mit etwa 1.400 Euro angegeben. Was für ein Kontrast zu dem oben Geschriebenen.
Nach einem kleinen Rundgang mit Wasser- und Pastetenkauf im Supermarkt (für meinen Security-Mann) gehe ich in den Victoriafalls-Park auf der Simbabweseite. Und es ist phänomenal. Trotz Trockenzeit fällt gewaltig viel Wasser in die Schlucht. Um die 100 Meter ist die Fallhöhe der Wasserfälle hier bei einer Länge in der Regenzeit von 1,7 Kilometern. Das macht diese Fälle zu den größten der Welt im Hinblick auf die Fallhöhe. Iugazu in Brasilien fällt nicht ganz so tief (80 Meter), ist aber mit 2,7 Km Länge in dieser Hinsicht größer (wirkt für mich auch so). Die Gischt, die hier entsteht, hat auf gut 200 Metern eine völlig andere, sattgrüne Vegetation hervorgebracht. Über das gesamte Jahr wird dieser Teil praktisch bewässert. Nur ein paar Schritte weiter und die Vegetation ist wieder eine andere. An 11 Aussichtspunkten kann man immer wieder neue Ansichten genießen und sich vom Rauschen beruhigen lassen. Überall sind Regenbögen zu sehen, manchmal auch ein Doppelter. Zusammen mit saftig grüner Wiese, Wasserfall und Palmen im Hintergrund, fehlt zur ChiChi-Perfektion nur noch das Einhorn. An einer Stelle ist es durch die Gischt angenehm kühl, was an diesem heißen Tag ein Segen ist. 4 Stunden sitze ich und bestaune dieses Weltwunder der Natur, quatsche mit vielen Besuchern aus aller Herren Länder.
Die Parkaufsicht gewährt mir
Zugang zum Internet und so lese ich die Nachricht von meinem Taxifahrer, der
fragt, ob alles gut sei oder er mich irgendwo abholen soll. Wir verabreden uns
auf sambischer Seite. Auf dem Weg zurück über die Brücke mache ich ein paar Stimmungsfotos (s.u.). Mir kommt ein Mann entgegen und sagt mir mit ernster Miene: Sie haben im Grenzgebiet fotografiert, das ist nicht erlaubt. Ich muss sie jetzt zur Kasse bitten. Ich erschrecke und in dem Moment lacht er schallend los. Scherz!
Mein Taxifahrer wartet an Kontrollpunkt schon auf mich und fährt mich ohne weitere Zwischenfälle ins Hotel.
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