Zelt mit Bild

 


Aus lauter Angst wieder aus dem Schlaf geklopft zu werden, stehe ich schon um 6.30 Uhr auf und bin glatt vor dem Personal beim Frühstück. Schweren Herzens breche ich zügig auf - es war so schön auf dem Berg mit der großartigen Aussicht. Eine Menge Schotterpiste liegt vor mir. Es geht zunächst zum Brandbergmassiv. Hier findet man mit 2.573 Metern den höchsten Gipfel des Landes. Er heißt passend Königstein. Das Massiv erscheint als Block, quasi aus dem Nichts. Drum herum ist es überall flach mit vereinzelten Büschen. Überall gibt es einzelnstehende, kleinere Bergketten.


Um zur ‚White Lady‘, einer Felsmalerei zu gelangen, müsste ich eine etwa 2 Stunden Wanderung hin und zurück machen. Das schaffe ich bei den Temperaturen im Moment nicht. Zudem scheine ich eine dicke Sonnenallergie zu haben. Waren gestern nur die Augen geschwollen, so bin ich heute im gesamten Gesicht rötlich angeschwollen. Da versuche ich die Sonne zu meiden, wo es geht. Die Landschaft erinnert mich an Australien rund um Alice Springs mit dem Ayers Rock und den Olgas. Aus Richtung Westen ziehen immer wieder Schleierwolken ins Land – der Dunst des Atlantiks.

Alle paar Kilometer steht am Straßenrand ein Stand mit der Kunst der Einheimischen, genauer der Himbas. Die Himba-Frauen stehen dazu am Straßenrand und versuchen einen zum Anhalten zu animieren. Wer diese langen figurenartigen Schläuche aus manch südlichem Land kennt, die mittels Luft aufrecht geblasen werden und an denen winkende „Arme“ baumeln, ähnliche Bewegungen machen die Damen, nur eben nicht mit ihren Armen.

Die Straße ist extrem hügelig, hoch und runter, immer wieder. Ein wenig wie ein Fahrgeschäft auf dem Rummel. Die Senken sind allerdings teils so steil, dass man Sorge hat, dass man praktisch einmal vorn und einmal hinten aufsetzt und schließlich die Räder in der Luft hängen. Wie hier Busse durchkommen, ist mir ein Rätsel. Also schön Tempo rausnehmen, was dann wiederum problematisch wird, wenn in der Senke eine Sanddüne liegt. Auto und Reifen lassen mich aber auch heute nicht im Stich und ich erreiche mein Ziel, die Spitzkoppe. Die kleine und die große Spitzkoppe (1728 Meter) bilden zusammen mit dem Pondok ein Fels-Ensemble, entstanden aus unterirdisch erloschener Lava, die später durch Erosion frei gelegt wurde. Das Zeltcamp liegt direkt davor, alles macht den Eindruck, als befände man sich am Set eines Western-Drehs. John Wayne kommt gefühlt jeden Moment um die Ecke oder „Der, dessen Namen man nicht mehr sagen darf“: Winnetou.


Heute zelte ich, aber ganz anders als man so denkt. Es ist ein Zelt, in dem ein Kühlschrank steht, ein Stromanschluss existiert und ein ordentliches Bild an der Wand hängt.


Der röhrende Hirsch ist es dann aber doch nicht. Angeschlossen ist ein umzäuntes Porzellanklo im Freien. Raumspray ist hier absolut nicht erforderlich. Man sollte seine Sitzung jedoch nicht allzu sehr ausdehnen, da manch Ameisenstraße recht fix einen Umweg macht. Dann kribbelt es doch sehr. Jedenfalls ein krasser Unterschied zu der Lodge von gestern. Aber ein Trost: hier gibt es eine großartige heiße Dusche, die sich abends bei ziemlicher Kälte wunderbar anfühlt. Und wo kann man schon direkt beim Duschen die Milchstraße über sich sehen? Im Restaurant lausche ich zum Tagesausklang der singenden Köchin. Sie trällert seit meiner Ankunft und ist mit ihrer Welt ganz offensichtlich vollkommen im Einklang.

 

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