Zur See

Auf einer Reise durch einen Wüstenstaat darf die Bootsfahrt nicht fehlen. Von Walfisbay aus steige ich auf ein kleines Boot, das uns die maritime Welt hier näherbringen soll. Der Guide erklärt kurz man solle seine Sachen unter dem Sitz sicher verstauen, da es sonst passieren könne, dass etwas verschwindet. Aha! Wie soll das gehen? Und in dem Moment, in dem ich meinen Rucksack sicher verstaut habe, landet - flatsch - genau dort, wo der zuletzt gelegen und ich gesessen hatte ein riesiger Seehund. Irre!

Ok, der ist unter Vertrag und holt seine fischförmige Entlohnung ab. Was für ein Schauspiel. Nachdem der halbe Eimer mit Fisch geleert ist, wird der Seehund von Bord komplementiert. An seiner Statt kommen zwei riesige Pelikane an Bord.

Unglaublich. Sie vertilgen die restlichen Fische und starten wieder durch, nicht ohne eine ziemliche Sauerei zu hinterlassen. Die ganze Bootsfahrt über ist es ein fröhliches Kommen und Gehen unzähliger Pelikane, Möwen und Seehunde. Die Tour führt durch die Bucht und wir sehen verlassene Schiffe, gesunkene Schiffe und einfach pausierende Schiffe. Im Monat November gilt hier ein Fischfangverbot, damit die Fischbestände sich regenerieren können. Da es hier im Vergleich zu anderen Staaten wie z.B. Angola sehr sicher ist, also keine Piraten gibt, ankern sehr viele Schiffe hier. Walfisbay hat als Hauptindustrie die Fischverarbeitung und exportiert viel in afrikanische Länder, aber auch nach Europa.


Die Tierwelt ist fantastisch, zwei Arten von Delphinen umschwimmen uns, Seehunde bilden große Kolonien am Strand, dazwischen Schakale, die sich gerne deren Babies schnappen. Möwen fliegen durch die Lüfte und ebenfalls am Strand sind Flamingos zu sehen. Es ist eine der schöneren Bootstouren. Sie ist recht ungezwungen und vor allem sieht man auch tatsächlich viele Tiere. Das ist auf vielen Touren nicht der Fall. Die Crew ist gemischt, der Herr am Steuerrad bezeichnet sich als Deutscher und erklärt mir, dass er ohne Problem, so er denn wollte, die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten könnte. Seine Frau hat niederländische Wurzeln und mit ihr habe ich sehr kurzweilige Gespräche über Gott und die Welt. Ihr Vorname lautet "Mademoiselle", weswegen sie lieber nicht nach Frankreich reisen möchte, da dort zu viele Erklärungen ob ihres Namens nötig seien. Wir besprechen Urlaub, Wirtschaft und vieles mehr in Namibia. Auf dem Weg von Walfisbay zurück nach Svakobmund höre ich einen deutschen Radiosender. Die Dame doziert über den Freitag beschlossenen Mindestlohn in Höhe von 18 namibischen Dollar, was etwa 90 Eurocent entspricht. Sie doziert gute 10 Minuten und wiederholt hundertfach das, was sie gerade gesagt hat, immer wieder in unterschiedlichen Satzstellungen aufs Neue. Döst man nicht vorher ein, so hat man definitiv am Ende gelernt: der Mindestlohn beträgt zukünftig 18 namibische Dollar! Insgesamt erscheint das Radioprogramm eher von irgendwelchen Hausfrauen gemacht, die nebenbei bügeln, Essen kochen oder sonstwas machen. Aber woher soll man bei 2,5 Millionen Einwohnern auch gutes professionelles Personal nehmen? Namibia ist auf der Liste der am wenigsten besiedelten Staaten. Hier kommen auf jeden Quadratkilometer nur 3,1 Einwohner.


Der Nachmittag findet wieder in Svakopmund im Cafe Anton statt. Der Himmel ist zugezogen, so dass ich keine Ausrede brauche, um einen faulen Tag zu haben. Ich hatte Glück, dass zur Bootsfahrt die Sonne schien.

 

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