Auf-, Ab- und Besteigen


Geht man nachts auf das Plumpsklo, so hat das ganze Dorf etwas davon. Der Metallverschlag scheppert elendig und bestimmt wird in jeder Hütte gedacht haben: ah, der alte Mann muss mal. Überhaupt gibt es in diesen Dörfern nur sehr begrenzte Privatsphäre. Alle wissen alles über Jeden. Ich kann mir vorstellen, dass es für den einen oder anderen Hirten ganz angenehm ist, einfach nur den ganzen Tag irgendwo in der Einsamkeit zu sitzen oder zu stehen und lediglich aufzupassen, dass das Vieh nicht abhaut. Das läuft hier über Pfeifen. Der Hirtenjunge gestern hat mich sehr beeindruckt, wie er die Ziegen durch Pfiffe davon abhielt die Herde zu verlassen.

Aufstehzeit ist hier, wenn der Esel dreimal schreit (kräftig und laut). Das weckt den Hahn (schwach und erbärmlich). Und dann ist kein Halten mehr. Die Kuhglocken bimmeln, die Hirten pfeifen und die Hühner gackern. Das Ganze findet halb sechs statt. Dafür, dass meine Heimstatt diese Nacht eher spärlich luxuriös ausgestattet ist, habe ich ganz gut geschlafen. Vorteil einer Lehmhütte ist, dass man sich das Staubwischen und -saugen sparen kann. Man würde ja damit die Hütte über kurz oder lang verschwinden lassen. Die Kinder sammeln morgens vor der Tür den Kuhdung der über Nacht im Gatter eingesperrten Rinder. Es geht auf Weihnachten, da muss die einer oder andere Hütte aufgehübscht werden. Mit dem Dung und Erde mischt man zementähnliche Masse, die den Boden glättet.


Ein spärliches Frühstück, aber gottseidank mit Kaffee, gibt es gegen 6.00 Uhr und dann geht es an die Vorbereitungen für den Aufbruch. Der Delinquent wiehert empört, als ich ihn von der Weide hole. Ja, ich freue mich auch Dich wiederzusehen! Einem kleinen Disput folgt die Übereinkunft, dass wir es heute noch einmal miteinander versuchen. Er ist voller Energie und kriegt sich gar nicht mehr ein vor lauter Wiehern, andauernd läuft er auf das Packpferd auf, achtet die Geschwindigkeit nicht, will ausbrechen. Junge halt! Mannomann! Und wir sprechen hier von einem Wallach, der ja schon hormonreduziert unterwegs ist. Wie mag es erst mit einem Hengst aussehen. Das Wiehern findet kein Ende. Bei einer kurzen Pause sehe ich den Grund. Da hat jemand seine Gerätschaft komplett ausgefahren. Ich dachte ja immer, dass ein Wallach von derartiger Unbill befreit ist. Aber dem scheint nicht so zu sein. Die Dame vor ihm hat es ihm angetan. Und die weiß damit zu spielen. Sie scheint das Gesäß extra zu präsentieren und es kommt wie es kommen muss: Der Junge versucht sie zu besteigen! Das gestern war nur das Training, heute folgt die nächste Stufe. Immerhin kann ich mich halten und steige nicht freiwillig ab. Ich schaffe es sogar ihn abzuhalten da weiterzugehen. Das ist mir dann doch zu intim! Für ihn ist die Situation natürlich besonders gemein. Er hat den Damenhintern die ganze Tour über buchstäblich direkt vor seiner Nase, wird ganz kirre und natürlich ist er der Böse.

Wir beide halten ab jetzt gebührenden Abstand. Auf einem schmalen Weg kommt uns ein Ochsengespann entgegen. Vater und Sohn dahinter. Der Sohn pfeift, der Ochse zuckt, das Packpferd erschrickt und mein Junge schaltet laut wiehernd in Gang 3, Galopp. Kurz: die Pflicht erfülle ich: nicht abzusteigen, aber (Kür) es sieht nicht gut aus….


Der weitere Weg läuft ohne besondere Vorkommnisse. Die Energie für irgendwelche Besteigungen lässt nach und Reiter und Pferd erreichen heil die Lodge. Der Reiter geht direkt unter die Dusche und von dort direkt für zwei Stunden für einen komatösen Mittagsschlaf ins Bett. Für eine Verabschiedung habe ich keine Energie mehr, aber ich habe mein Pferd zum Schluss echt gemocht. Schon erstaunlich, dass da eine Verbindung entsteht.

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