Burg der Giganten
Die Drakensberge erstrecken sich in nord-südlicher Richtung über mehrere hundert Kilometer. Meine Unterkunft befindet sich etwa in der Mitte. Eine unbedingt zu besuchende Stelle ist das „Giants Castle“ und liegt etwa 140 Kilometer entfernt Richtung Norden. Das Wetter spielt heute mit, strahlender Sonnenschein, was ein fast surreales Bild im Kaffeezimmer ergibt. Grüner geht es nicht. Davor, noch kurz nach Sonnenaufgang liegen Wolkenteppiche unten in den Tälern.
Gegen 10.00 Uhr starte ich und fahre durch eine blau- grün-rote Landschaft mit weißen Wolkengebilden am Himmel. Neben den grünen Wiesen leuchtet die aufgebrochene Erde tiefrot und das strahlende Blau liefert der Himmel. Etwa 80 Kilometer nördlich biege ich ab in Richtung der Berge. Mehrere weite Täler durchfahre ich und komme durch ausgedehnte Ortschaften. Die Behausungen sind sehr einfach, viele kleine Hütten, quadratisch ‚modern‘, aber auch die traditionellen Rundhütten aus rotem Stein stehen an den Hängen. Heute ist Waschtag. Die Zäune und Leinen hängen voller bunter Sachen. Die Menschen tragen überwiegend bunt, was einen tollen Kontrast zur Hautfarbe liefert. Am Fluss findet großes Wäschewaschen statt. Während die Frauen waschen, haben die Kinder Spaß im Fluss. Die Menschen in dieser Gegend sind auffallend schön. Das war schon im Kruger-Nationalpark so. Die Gesichter sind in Perfektion symmetrisch geschnitten mit wunderschönen Augen, Nasen und Mündern. Ich glaube, dass ich noch nirgends auf der Welt so viele so schöne Menschen gesehen habe. Ach, wäre es schön, fiele ich als Weißer nicht so sehr auf mit meiner Kamera. Dann könnte ich mich irgendwo hinsetzen und fotografieren. So muss ich es beim Durchfahren und dem Fotografieren der Häuser und der Landschaft belassen. Sehr sehr schade. Am Zielort angekommen, parke ich mein Auto und mache mich auf den Weg zum Mushroom-Rock. Dank Komoot, der Apps mit Wanderwegen weltweit, weiß ich wo ich hinmuss.
Sehr bald geht der Weg sehr steil nach oben. Am Ende wird meine Uhr 140 Stockwerke anzeigen. Bei annähernd 30°C merke ich sehr schnell, dass meine Konstitution gerade nicht die Beste ist. Aber es hat sich gelohnt. Der Ausblick auf das Giants Castle ist phänomenal. Mich erinnert das an die Berge in Peru und Nepal. Immer neue Wolkenformationen bleiben an den Spitzen hängen. Die höchsten Punkte liegen bei etwa 3000 Meter, ich selbst befinde mich auf knapp über 2000 Metern. Eine Stunde brauche ich, um wieder abzutrocknen, dann folgt der Abstieg. Auch der hat es in sich. Hochkonzentriert setze ich Schritt für Schritt. An einer Stelle, die mir beim Aufstieg schon sehr eng und rutschig erschien, und die wohl auch genau deswegen mit drei Pfählen und Draht abgesichert ist, rutsche ich dann auch tatsächlich ab und kann mich nur durch einen beherzten Griff in den Draht vor dem Absturz bewahren. Der Draht ist allerdings Stacheldraht! Ich persönlich finde diese Art der Absicherung nicht sehr gelungen, meine Hände sind derselben Ansicht. Die linke Hand färbt sich recht schnell blutrot. Warum um Himmelswillen spannen die hier Stacheldraht? Soll das zur Abschreckung dienen? Wanderer gib Obacht! Oder meint man, dass man da einfach besser hängenbleibt? Letzteres ist ja durchaus der Fall. Ohne dieses Hilfsmittel hätte es sehr übel ausgehen können. Wer weiß wie viele Karmapunkte ich hier verbraucht habe. Noch vorsichtiger setze ich meinen Weg fort und bin fix und fertig als ich wieder am Auto ankomme.
Auf dem Rückweg sammle ich ein neue Karmapunkte, eine sehr beleibte Dame bittet um Mitnahme. Angst von ihr überfallen zu werden habe ich nicht, umso mehr jedoch um meine Reifen und Stoßdämpfer. Es dauert eine Weile, bis sie eingestiegen ist und der Wagen hat leichte Schlagseite. Eine sehr lustige, sehr nette Frau, die mich leider nur kurz begleitet und recht bald wieder aussteigt. Kurze Zeit später steht ein junger Mann am Straßenrand, den ich ebenfalls mitnehme. Sehr gesprächig ist er nicht. Mehr, als dass er als Security arbeitet, ist aus ihm nicht rauszukriegen. Kurz vor seinem Ziel nestelt er an der Hosentasche und holt irgendetwas raus. Mich durchfährt ein kleiner Schreck, kann ich doch zunächst nicht sehen, was er da hervorholt. Es ist Geld – er will mir 20 Rand für Die Fahrt geben. Geht aber nicht, dann bekäme ich ja keine Karmapunkte… Zuhause angekommen dann wieder strömender Regen und dichter Nebel.


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