Ein PS
Ich bin umgestiegen von diesen Protzerkarren runter auf ein PS. Geländegängig, 4x4, autonomes Fahren, ABS, ESP, leider kein Recarositz. Gas geht mit auf den Po klopfen, lenken mit Gurten links oder rechts. Marke Pferd, Farbe braun, etwa 10 Liter Wasser auf 10 Kilometer.
Das höchste Glück der Pferde bin
sicher nicht ich, wenn ich obendrauf sitze. Ich probiere heute mal meine
Reitkünste aus. Mein Pony hat leider keine Wahl, wir wurden einander
zugewiesen. Mal sehen wie a) ich klarkomme und b) das Pony mich so verkraftet. Nach
dem Frühstück reite ich mit meinem Guide in die Landschaft und ich muss sagen
mir war nie ganz klar, dass Reiten einfach wunderschön ist. Es ist fantastisch
so vor sich hinzuschaukeln durch die Felder und Dörfer und – das war mir völlig
unklar – die Berge hoch und wieder runter. Und es sind wirklich felsige, steile
Anstiege, bei denen ich dachte, dass dieses arme Pferd das nicht schaffen kann!
Ich wäre selbst ohne Last schon drei Mal gestürzt. Aber mein Pferd heißt Angela
– ich schaffe das! Hochachtung vor diesem Wesen, das so unglaublich stark,
genügsam und geduldig ist. An jedem Halt, sei es für einen Wasserfall oder für Felsmalereien, sind Basothos, die sich durch Musikaufführungen Geld verdienen wollen. Man achtet hier sehr darauf, dass die Kinder nur etwas bekommen, wenn sie auch etwas dafür tun. In diesem Fall singt ein kleiner Kinderchor und am Wasserfall spielt ein Junge auf seinem selbstgemachten Schlagzeug. An jedem Stopp taucht auch immer ein Hirte auf, der kurz auf die Pferde aufpasst.
Ich erlebe 6 Stunden pures Glück in traumhafter Landschaft mit freundlich winkenden Menschen und einem ausgesprochen sympathischen Guide. Man meint ja, dass man einfach so auf dem Pferd säße und gut ist. Weit gefehlt: es ist echt Arbeit und ist ganzheitlich schmerzhaft und anstrengend. Nach Knie, Fuß und Hüfte, kommen heute noch Po, Steiß und Schulter dazu. Die Familienpackung Bepanthen lindert ein wenig. Ich bin anschließend seelig, aber gerädert, Moment, nein, gepferdet, so dass ich mich erst einmal hinlegen muss. Rechtzeitig zum Auftritt des Dorfchors und der Dorfband bin ich aber wieder fit und absolviere nach all dem Sport gleich noch ein sehr schönes Kulturprogramm. Und nun bin ich angefixt. Morgen reite ich mit demselben Guide in ein 20 Kilometer entferntes Dorf, übernachte dort und reite übermorgen zurück.



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