Eswatini (vormals Swasiland)
Gut ausgeschlafen erreiche ich Barberton, dem nächstgelegenen Ort zum Frühstücken und zudem auf dem Weg zur Grenze nach Eswatini. Ein idyllischer Ort, die Straßen gesäumt mit prächtig rot blühenden Bäumen, eingerahmt von grünen Bergen, in denen die Wolken hängen. Ich entdecke einen KFC und gehe hinein. Als ich gerade die Optionen studiere, höre ich hinter mir jemanden sagen: „Sie wollen doch nicht wirklich hier essen?“. Ich drehe mich um und blicke in das Gesicht von Johann, dem Vermieter von gestern. Über meinen erstaunten Blick muss er lachen und ich schließlich auch. Er schlägt ein Café vor, zu dem er mich lotsen möchte. Unterwegs gibt es überall Stopps, an denen mir die Geschichte der Stadt und Umgebung erläutert wird. Barberton liegt auf dem Gebiet des früheren Transvaals, der britischen Kolonie im Nordosten von Südafrika. Berühmt erlangt hat dieses Gebiet durch seine Goldvorkommen.
In den Minen findet man Golderz mit dem weltweit höchsten Goldgehalt. Thematisch geht es darüber hinaus über Politik, Tourismus und illegale Einwanderung. Am liebsten nähme ich den Herrn für weitere Erkenntnisse über Südafrika sowie dieses angenehme Gefühl des Betreutwerdens mit auf Reisen. Er lehnt lächelnd ab.
In einem Ort, der ‚Barber’ton heißt, ist es praktisch Pflicht zum Frisör zu gehen. Der günstigste Haarschnitt, den ich je hatte und fast der Beste! Nun führt mich der Weg direkt in die Berge mit wunderschönen Ausblicken mit und ohne Wolken. Gut eine Stunde später eine Schranke und ein Häuschen – das Grenzgebäude. Die Grenzbeamtin erledigt die Formalitäten und meint, es sei eine sehr schlechte Straße auf der anderen Seite. Auf meine Frage: „Wie schlecht?“, antwortet sie: „seeeeehr schlecht!“. Aber falls ich es nicht schaffen würde, seien sie noch bis 16.00 Uhr da. Der Grenzbeamte an der Schranke meint lapidar: „Fahrn se halt langsam!“ (er könnte Berliner sein).
Nach der Kontrolle auf eswatinischer Seite verschwindet innerhalb kürzester Zeit die Straße und auch sonst alles, was Infrastruktur ausmacht. Schilder sind nicht vorhanden. Die Navigation hat sich bereits vor der Grenze verabschiedet. Ich frage mich durch und kann immer kaum glauben, dass der mir gewiesene Weg richtig sein soll.
Das sind Schlammpfade, die in irgendwelche Weiden führen. Augen zu und durch. So viele Wege kann es nicht geben und das haben auch schon andere geschafft. Mitten im Wald dann 5 mögliche Wege in alle Himmelsrichtungen! Die Entscheidung fällt nach Gefühl und ist zum Glück richtig. Der Weg beginnt anspruchsvoller zu werden. Bergauf mit Schlamm, ich hatte vergessen zu erwähnen, dass es mittlerweile in Strömen regnet, und Riesenlöchern, dazu jetzt noch mit Felsbrocken! Die Augen traue ich mich nicht mehr zu öffnen. Dann an einem steilen Anstieg das vorläufige Ende! Das, was da vor mir liegt, ist nicht zu schaffen – wohl selbst mit einem Allradantrieb nicht. Andere haben es wohl doch nicht geschafft – zu sehen ist seit einer Stunde niemand mehr. Ich fühle mich wie in einem Computerspiel, in dem ich nur noch 5 Leben habe. Mit Karacho drauf zufahren, links, rechts lenken und: ich hänge und komme nur wieder raus, weil der Hang mich wieder runterzieht. Drei weitere Versuche folgen mit Aussteigen, Lage sondieren, Taktik überlegen, Augen zu und los. Ich scheitere ein ums andere Mal. Ich hätte zur Umkehr zur Grenze noch eine Stunde Zeit. Aber es sind doch „nur“ noch 9 Kilometer. Merke: Hängt man an einem Schlammhang vor Felsen und Löchern in Schlamm, dann sind auch 500 Meter zu viel!
Der letzte verzweifelte Versuch mit ganz viel Karacho und Gebeten lässt mich dieses Hindernis irgendwie überwinden. Puh, der Schweiß strömt, der Adrenalinlevel ist oben.
Was ich schon wieder nicht bedacht habe: Es gibt noch mehr solcher Stellen und viel schlimmer (!): zurück geht es jetzt nicht mehr…..
Mein Schutzengel hilft insofern, als dass er die richtig schwierigen Stellen ins Gefälle gelegt hat. Ich rutsche irgendwie durch und sehe bald Waldarbeiter, die ich frage, wie weit es noch zu einer normalen Straße ist. Drei von ihnen möchten mitfahren, was ich ja eigentlich nicht soll, aber hier ist Not im Spiel. Die Straßenlage dürfte sich verbessern zu viert im Wagen und vor allem, sollte ich hängenbleiben, dann könnten drei Leute helfen. Ohne weitere Zwischenfälle komme ich in Piggs Peak an. Ab dort gibt es eine geteerte Straße. Die Waldarbeiter lasse ich dort raus, um eine weitere Erkenntnis reicher: Nehme nie in schlammiger Gegend in strömendem Regen Waldarbeiter mit! Der Wagen ist jetzt nicht nur außen schlammig!
Wesentlich entspannter, wenn auch immer noch herausgefordert durch riesige Schlaglöcher, Kühen auf der Straße und Nebel mit Sichtweiten unter 50 Meter, fahre ich durch eine Landschaft, die so auch in der Schweiz sein könnte. Sattgrüne Wiesen, Kühe und Berge. Zu meinem Glück habe ich irgendwann zufällig Zugriff auf das südafrikanische Internet, was mich rettet, denn die Unterkunft hätte ich nie im Leben ohne Navigation gefunden. In der Unterkunft reagiere ich auf die Vorschläge was ich hier unternehmen könnte auf die Punkte „Adrenalinvorschläge“ gestresst und gereizt und schreie: „Nein!“ Die Rezeptionistin lächelt süffisant, nachdem ich meine Reaktion erklärt habe….


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