Geschäftsmodelle


Manzini ist das Wirtschaftszentrum des Landes und verfügt über einen relativ großen Markt. Märkte sind in der Regel schöne Ziele und so verschlägt es mich dorthin. Viel Platz nimmt dort der Bereich Kleidung, teils traditionell in Handarbeit hergestellt, aber auch jede Menge Altkleider, die meines Erachtens importiert sind. Ein kleinerer Teil ist Obst und Gemüse gewidmet, ein weiterer Haushaltswaren.
In einer großen Halle wird „Speed“-Dame gespielt. So ganz sicher bin ich nicht, ob es dabei auch um Geld geht.  Es sind jedenfalls allesamt Männer – der Spieltrieb ist diesem Geschlecht halt zu eigen. Viel beeindruckender ist in Manzini aber die Vielzahl an Shoppingcenter. Es reiht sich eines an das andere und man kann so ziemlich alles kaufen, was es auch anderswo gibt. Die Menschen sind phantastisch gekleidet, da ist der junge Mann mit knallrotem Shirt, orangegelben Shorts, Tennissocken bis unter die Knie gezogen in Badelatschen und als I-Tüpfelchen mit einem rosa Schlapphut ausgestattet. Oder der Herr in Wickelrock mit Tierfell vorn und hinten – die traditionelle Herrenkleidung. Auch der „normale“ Hipster, mit Tommy Hilfiger-Shirt und Skinny-Drittweltmoden-Jeans, selbstverständlich mit CK-Cappy. Farblich gibt es sehr häufig große Abweichungen der mir bekannten „Norm“. Hingucker sind sie alle.

Viele Menschen tragen zusammengeflickte, kreuz und quer genähte Skinny-Jeans (skinnyskinny!). Bei Diesel, Levis und wie sie alle heißen würde man dafür ein Vermögen hinlegen. Hier ist alles original und vor allem völlig ungenormt. Jede Hose ist ein Unikat. Wäre ich Modemacher, so würde ich hier ein paar Stunden sitzen und Ideen sammeln. An einem kleinen Stand gibt es drei Schuhputzer, die den Untergang dieses Berufsstands aufgrund der weltweiten Sneakerplage erfolgreich aufhalten. Man schäumt die Schuhe ein, schrubbt einmal wild drauflos und die Schuhe sind wie neu. Ich stehe 3 Meter entfernt und finde mich mitten im Gang mit eingeschäumten Schuhen wieder, die auf diese Weise in den Neuzustand gebracht werden. Den Rucksack lasse ich gleich ebenfalls auffrischen. Gesprächsstoff gibt es immer – die deutsche Bundesliga wird durchgesprochen – sie kennen alle Vereine inclusive aller Spieler und Leistungen. Am besten man sagt man sei Bayern-Fan, dann kann man nichts falsch machen.

Von Manzini fahre ich eine große Runde Richtung Norden um Mbabane herum. Der Weg nach Piggs Peak führt dann auf einer unbefestigten Route über die Berge. Man sollte meinen ich hätte gelernt. Tja…. Ich fahre diesen Weg und der ist nicht viel besser als der bei der Einreise nach Eswatini. Alle Wege nach Piggs Peak scheinen übel zu sein. Unterwegs Tramper, einer fleht förmlich mitgenommen zu werden. So halte ich an und lasse ihn mitfahren. Er muss in ein 12 Kilometer entferntes Dorf, in das er ansonsten zu Fuß hätte gehen müssen.


Nachdem er ausgestiegen ist, folgen Eukalyptusplantagen und in einer solchen eine Dame, die ebenfalls von hier fortkommen will. Wo ich schon einmal dabei bin…. Sie will nach Piggs Peak, um von dort den Bus nach Pretoria in Südafrika zu nehmen. Sie arbeitet dort illegal in einer Kneipe. Herr S eröffnet hier demnächst einen Fahrservice. Irgendwann meint sie ich hätte rechts abbiegen müssen. Googlemaps sagt aber, dass ich weiterfahren soll. Hochtrabend erkläre ich ihr, dass googlemaps schon wüsste, wo man lang fährt. Denkste! Die App denkt sich permanent irgendwelche Straßen aus, die nicht existieren und kennt die, auf der wir uns befinden, nicht. Da ist noch viel Arbeit zu leisten. Aber auch hier führen alle Wege letztlich nach Rom – in diesem Fall Piggs Peak. Die Dame will mich doch tatsächlich bezahlen. Selbstverständlich lehne ich ab.

Nach vielen Stunden Fahrt komme ich im Hotel an, allerdings nicht ohne kurz davor noch von der Polizei angehalten zu werden. Ich hätte ein Stoppschild überfahren. Upps, wird wohl so sein. Das kostet 60 Rand (3 Euro) sagt der Polizist. Leider habe ich kein Bargeld dabei und frage nach Kartenzahlung. Darauf fragt der Polizist mich, ob ich Scherze machen würde. Nein, tatsächlich habe ich gerade noch 20 Rand, teils in Münzen. Gut, sagt er, geben sie her und steckt das Geld in die Hosentasche. Ich zahle also umgerechnet einen Euro für ein mittelschweres Vergehen, preiswert!

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