Infrastruktur


Eigentlich hätte ich gut noch zwei oder drei Tage in Eswatini bleiben können. Es beginnt mir hier zu gefallen. Komme ich in einem neuen Land an, so brauche ich erst einmal ein wenig Zeit, um mich ‚einzufühlen‘. Das habe ich jetzt und nun geht es weiter. Naja, ein nächstes Mal wird es bestimmt geben. Am frühen Sonntagmorgen sind die Straßen voll von Emaswatis im Sonntagsstaat. Viele in schicker, moderner Kleidung, viele aber auch in traditioneller Kleidung. Kleider aus bunt, hauptsächlich rot gemusterten Stoffen, die Herren im selben Stoff als Wickelrock mit Tierhäuten vorn und hinten. Unterwegs ist man in der Regel zu Fuß. Staatliche Busse sind nicht zu sehen, Bahnen schon gar nicht. Die Versorgung läuft über Minibusse, deren Anzahl aber offensichtlich begrenzt ist. Allgemein sind die Straßen in Eswatini bestens ausgebaut, wenn man nicht gerade in abgelegene Gebiete fahren will. Da habe ich zwei heftige Erfahrungen gemacht. Gut, auch wenn die Straßen sehr gut ausgebaut sind – in Deutschland hätte man eine Maximalgeschwindigkeit von 30 eingeführt. Jedenfalls erreiche ich die Grenze nach Südafrika unkompliziert und auch der Übergang ist einfach, außer mir ist niemand hier. In Südafrika dann aber die üblichen Probleme, zunächst kein Internet und – schlimmer – wieder Geröllstraße. Das ändert sich nach der nächsten Ortschaft. Die Straßen sind geteert, aber leider voller Schlaglöcher, teils riesig. Anfangs versucht man noch durch Slalom den Löchern auszuweichen, bis man sich nach dem 5. Erfolglosen Ausweichmanöver dem Schicksal ergibt und den Rest dem Schutzengel überlässt, auf dass er schlimmeres verhindern möge, insbesondere einen kaputten Reifen.


Denn recht bald öffnet der Himmel seine Schleusen und es schüttet bis zum heutigen Ziel ohne Ende. Die Kombination Schlagloch und heftiger Regen ist dabei fatal. Man kann sie nicht mehr sehen und auch nicht die Tiefe einschätzen. Nun, ich hatte mich ja bereits dem Schicksal ergeben. Zudem kann man hier dazu noch wirklich testen, ab welcher Geschwindigkeit Aquaplaning beginnt – früh! Zunächst ärgere ich mich über die Spurrinnen voller Wasser, nutze das dann aber schließlich, um dem Wagen eine ordentliche Unterbodenwäsche zu verpassen. In jede Richtung fährt man praktisch in einem Bach. Jede einzelne dieser Straßen wäre in Deutschland entweder nur in Schrittgeschwindigkeit oder gar nicht erlaubt zu befahren.


Es sind jede Menge Kohle-LKW unterwegs, die zu überholen unmöglich ist. In Südafrika wird zwischen 80 und 90% des Stroms aus Kohle gewonnen, die überwiegend über die Straßen transportiert wird. Darüber hinaus wird Strom mit Erdöl und -gas produziert. Erneuerbare Energien kommen praktisch nicht vor. Große Bestrebungen daran etwas zu ändern, gibt es auch nicht. Und diejenigen erneuerbaren Energien, die machbar sind, werden dann zukünftig für klimafreundlichen Wasserstoff oder Ammoniak verwendet, den wir dann in Deutschland einsetzen, um unter anderem dadurch von unserer Kohleverstromung loszukommen. Das verstehe wer will. Einmal werde ich von der Polizei angehalten. Man will meinen Führerschein sehen. Es folgt ein netter Plausch über die Vorzüge Südafrikas und der Polizist bedankt sich überschwänglich für mein Lob für dieses Land.

Irgendwann wird die Straße besser und ich komme schnell voran, so dass ich wie gewünscht das Ziel im Hellen erreiche. Was ich hier vorfinde, übertrifft bei weitem alle Erwartungen. Ein Haus am Berg, etwa 100 Quadratmeter mit großer Terrasse und eigenem Morgenkaffee-Lesezimmer zur alleinigen Nutzung. Gottseidank habe ich gleich 6 Nächte hier gebucht!


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Delinquenten

Tartarugas

Einkaufsbummel