Klassische Tropeninsel und auch wieder nicht
Sansibar ist die perfekte Tropeninsel und entspricht dem, was man von den Tropeninseln in Südostasien so kennt. Die hohe Luftfeuchtigkeit, Temperaturen um die 30 Grad. Eigentlich spricht man nicht von Sansibar als Insel, sondern von dem Sansibar-Archipel, einer Ansammlung vieler Inseln, von denen im Grunde nur zwei, Unguja und Pemba wirklich bewohnt sind. Mit dem Motorroller herumzufahren ist das Vergnügen schlechthin. Tatsächlich fühle ich mich wie in Thailand. Kokospalmen, Bananen, majestätische Mangobäume, sattgrüne Landschaft. Interessant sind hier jedoch die Abweichungen. Da steht dann plötzlich mittendrin der afrikanische Baobab, die Menschen sind tiefschwarz, die Essensstände bieten indisches Essen an, Moscheen statt Tempel, der Muezzin ruft zum Gebet und die Männer tragen häufig Kopfbedeckungen, wie ich sie aus Nepal kenne. Eine Einordnung ist schier unmöglich, hier läuft alles durcheinander, was es rund um den indischen Ozean so gibt und was höchst reizvoll ist. Aus allen Ecken erschallt es „Jambo“ (=Hallo/Guten Tag) und auf einmal mutet es fast an, als sei man in Lesotho: es wird gewunken und gerufen. Immer wenn ich anhalte, um auf dem Telefon den Weg zu prüfen, wird mir Hilfe angeboten, jedoch nicht ohne immer gleich nach ‚support‘ zu fragen. Da zieht sich dann doch das touristische Element durch die Insel. An meinem zweiten Motorradtag gleich früh gibt es die erste Polizeikontrolle: ich sei zu schnell gefahren. Überprüfen kann ich das nicht, denn der Roller hat keinen funktionierenden Tacho. Er sagt mir ich sei 74 Km/h gefahren. Allerdings bleibt mir schleierhaft, wie der Polizist das überprüft haben will. In der Hand hält er ein Kartelesegerät. Möglicherweise ist eine technische Erfindung an mir vorübergegangen und die Dinger können neuerdings gleichzeitig die Geschwindigkeit messen. Ich glaube ja nicht und frage gleich noch einmal. Da sagt er 78 Km/h. Bevor das noch mehr werden, höre ich mal lieber auf. Er verlangt meinen Führerschein und ist begeistert von meinen ganzen Erlaubnissen, worauf wir einen kleinen Plausch über verschiedene Fahrzeuge, deren Vor- und Nachteile haben. Wie viel Bargeld ich denn dabei hätte? Leider keines, was der Wahrheit entspricht. Dann, so sagt er, müsste ich 75 Dollar zahlen und zückt das Kartenlese-/Geschwindigkeitsmess-Kombigerät. Ich suche noch mal die Taschen durch und finde einen 2000 Schillingschein (=70 Eurocent). Mit einem freundlichen Lächeln reicht er mir Führerschein und die 2000 Schilling und meint ich solle weiterfahren. Wie auch immer ich aus dieser Nummer schon wieder herausgekommen bin……. Keine 10 Minuten später hält mich der nächste an. Meine Frage/Bitte, ob man die Kontrolltaktung nicht bitte auf wenigstens 30 Minuten ausdehnen könnte, erwidert er mit einer Entschuldigung und winkt mich lächelnd weiter. Kommunizieren hilft!
Auf einer Gewürzfarm lasse ich mir jede Menge Produkte zeigen. Ingwer, Kardamom, Kurkuma, Zimtbäume u.v.m. Allein hätte ich nichts erkannt, alles wäre ein einfacher Wald mit einigen Sträuchern geblieben. Ein schöner Besuch ohne viel Aufhebens. Der heutige Nachmittagsregenschauer geht nieder und ich überbrücke ihn an einer Tankstelle mit zwei älteren kopftuchbedeckten Tankwartinnen, die leider kein Englisch sprechen. Es bleibt bei viel freundlichem Lächeln und Kopfnicken. Weiter geht es auf die Südostseite der Insel, was sich nicht wirklich lohnt. Die Vegetation wird ab Inselmitte langweilig, der Straßenzustand verschlechtert sich rapide. Der Strand ist recht schmal. Spät komme ich dort an und muss mich sputen, um die 100 Kilometer zurück zum Hotel bei Tageslicht zu schaffen. Es wird knapp, aber die Abendstimmung ist phänomenal, die Märkte in den Orten sind überflutet von Menschenmengen, insbesondere die Frauen tragen farbenfrohe Gewänder und leuchten. Man isst, man kauft ein, man tauscht sich aus. Verweilen geht nicht, aber das Durchfahren beeindruckt schon sehr. Die letzte halbe Stunde muss ich dann in Dunkelheit fahren. Sehr anstrengend, die Sicht extrem schlecht, lediglich die leuchtenden Frauen kann man gut erkennen, die unbeleuchteten Fahrradfahrer und Fußgänger bleiben fast unsichtbar im Dunkeln. Schlimm: die Temperatur sinkt unter 30 Grad. Grauenvoll, furchtbar, aber immerhin sind die Polizisten alle im Bett!


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