Kultur
Das letzte absolute Königreich Afrikas ist Swasiland. Seit den 80er Jahren regiert König Mswati III. und ist von so lästigen Dingen wie Gesetzen losgelöst. Kurz, er kann im Grunde machen was er will, denn er steht sowohl über der Legislative, Exekutive als auch der Judikative. Praktischer Aspekt davon ist, dass man finanziell gut dasteht. Während das Volk der Emswatini bettelarm ist, erlaubt sich der König allen Luxus, den man auch in anderen Ländern (Autos, Häuser, Reisen) gerne genießt. Laut eines Einheimischen liegt der Durchschnittslohn bei etwa 60 Euro. Das ist zum Leben viel zu wenig, wenn ein Zimmer bei über 30 Euro liegt. In den Einkaufszentren kann man alles kaufen, was auch in Europa zu haben ist – jedoch zum selben Preis und höher. Die Zahnpasta z.B. liegt bei 2,50 Euro. Das gibt einem die Idee vor welchen Herausforderungen dieses Land steht.
Nun, der König benötigt das Geld nicht zuletzt, um seine 13 Frauen (die Zahl ist die offizielle, mehr sind möglich) zu finanzieren. Die Polygamie ist hier legal und üblich, für die meisten jedoch überhaupt nicht praktikabel, da sie noch nicht einmal den Brautpreis für eine Braut zahlen könnten. Selbstverständlich werden Steuern vom Volk erhoben. Eine Möglichkeit für die Frauen des Landes ist sich davon befreien zu lassen, indem sie sich dem König für ‚Gefälligkeiten‘ anbieten.
Bis in die 60er Jahre war Swasiland unter dem ‚Protektariat‘ der Briten, wurde dann nach Protesten unabhängig und versuchte es mit der Demokratie. Da dort aber irgendwie immer die anderen, die falschen, bestimmen, wurden bereits Anfang der 70er Parteien verboten und nach einigem Hin und Her entstand die absolute Monarchie. Der König (Löwe) ist Alleinherrscher, die Königinmutter (Elefantin) ist praktisch das stellvertretende Staatsoberhaupt. Zuletzt wurde dieses System 2006 zementiert. Der Name des Landes wurde 2018 von Swasiland in Eswatini geändert, da in der ersten Bezeichnung zu viel Kolonialzeit steckt.
Das Problem Eswatinis ist bereits seit den 80er Jahren die Aids-Katastrophe. Etwa ein Drittel der Bevölkerung ist HIV-positiv, weltweite Spitze, und man wird der Lage nicht Herr. Bei Kondompreisen von einem Euro für zwei Stück und, schlimmer, einem sehr konservativen Rollenverständnis der Männer, ist ein Ende dieser Lage nicht absehbar, insbesondere dann, wenn man in dem Glauben ist, dass man von der Krankheit geheilt wird, wenn man sich nur eine Jungfrau für den Akt sucht. Im Hinblick auf die Rechte von Minderheiten ist man hier ebenfalls noch nicht sehr weit gekommen. Homosexualität ist nach wie vor illegal, immerhin wird der Verstoß gegen diese Regel nicht verfolgt.
Die Rollenvorstellung Mann/Frau wird bei meinem Besuch eines „cultural village“ deutlich. Zunächst schauen wir uns eine Tanz- und Gesangsdarbietung der Emaswati an. Tänze der verheirateten Frauen, Tänze der unverheirateten Frauen, Tänze vor, während und nach der Jagd. Wunderschöne Gesänge und viel kulturelles Brimborium, aber eben Vergangenheit. Die Darbietungen finden in einem ursprünglichen Dorf statt. Die „Bewohner“ fahren dort, ebenso wie die Touristen, jeden Morgen hin, zeigen „ihr Leben“ und fahren dann wieder in ihre Häuser und Wohnungen in der Stadt. Ein Freilichtmuseum. Erklärt werden die verschiedenen Hütten und Bauweisen. Welche der Frauen des Mannes wann, wo und warum bzw. wie zu Diensten zu sein hat. In der Gruppe gibt es angesichts der vielen männlichen Privilegien jede Menge „Höhö“ zu hören und es werden viele anzügliche Kommentare abgesondert. Außer mir ist die Gruppe komplett schwarz. Die Anzüglichkeiten alter Männer kennen keine Hautfarbe – die Welt ist in diesem bereits vereinheitlicht oder besser, nie verschieden gewesen..jpg)
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