Lesotho


Mein Weg führt mich nach Lesotho, das Königreich im Himmel, das vollständig höher als 1000 Meter über dem Meeresspiegel gelegen und komplett von Südafrika eingeschlossen ist. Zwar waren die Drakensberge schön, aber das derzeitige Klima hatte sehr viel vom nordeuropäischen Herbst/Winter. 6 Tage sollten als Tribut an alle Daheimgebliebenen reichen. Das Land hat eine Verfassung, der König ist hier nicht mehr Alleinherrscher. Bis in die 60er Jahre war es britische Kolonie, inzwischen gehört es nur noch zu den Commonwealth-Staaten und ist unabhängig.

An der Maseru-Bridge überquere ich die chaotische Grenze, wobei diese Aussage eigentlich nur auf Südafrika zutrifft. So ganz klar ist mal wieder nicht, wo ich mich anstellen muss. Ich nehme einfach die längste Schlange, werde aber mehrfach wieder woanders hingeschickt. Ausnahmsweise ist wirklich mal etwas los an einer Grenze. Dann aber geht alles ganz schnell: Stempel rein und weiter auf die Lesotho-Seite. Ich parke, gehe in eine Grenzbaracke und frage mich durch. Wieder raus, zu einer anderen Baracke. Dort der Hinweis: hier mache man das wie bei Kentucky-Fried-Chicken: „Drive-Inn“. Humor hat man hier schon einmal. Sympathisch! Also Auto holen und an den Schalter fahren. Den Chicken-Burger bekomme ich nicht, dafür aber ein herzliches Willkommen und den Wunsch Lesotho zu genießen. Gleich hinter der Passtelle kommen ungefähr 15 Simkartenverkäufer auf mich zu. Der Forscheste erhält den Zuschlag. Warum macht das nicht in jedem Land so? Mobile Daten sind so essentiell für Reisende. Und da bin ich plötzlich erneut in einem anderen Land, gesichert versorgt mit Internet und somit Informationen. Es ist sehr wuselig überall, auf den Straßen Unmengen fliegender Händler, an Kreisverkehren, Kreuzungen oder Speedbumps. Im Trend dieser Tage Weintrauben. Die Massen an Straßenhändler findet man fast an oder in jeder Ortschaft, die ich durchfahre. Beim ersten Massenauflauf bin ich kurz nervös, aber das legt sich bereits beim zweiten. Die Menschen sind unglaublich freundlich und überhaupt nicht aggressiv, wie man das manchmal in Südamerika oder Asien bei Straßenhändlern hat.


Die Straßen sind so ähnlich wie in Südafrika. Es gibt viel mehr zu sehen hier. Ich bin ganz aufgeregt. Alles wirkt wesentlich ursprünglicher (und ärmer). Was mich aber am meisten beeindruckt und zu Tränen rührt, ist, dass die Menschen, egal wo ich langfahre, mich grüßen, mir zuwinken. Ob ich nun dort anhalte oder einfach nur durchfahre. Ein Gewinke sondergleichen. In einem Ort gibt es eine Baustelle und eine Umleitung, um eine fehlende Brücke zu umfahren. Ich verfahre mich und nach kürzester Zeit ist der halbe Ort damit beschäftigt mir den richtigen Weg zu weisen. Nicht ohne viel freundliches Lächeln und Winken. Sicherlich auch eine Abwechslung für alle, da der neueste Blockbuster hier ganz sicher nicht läuft und man mich dann eben zur heutigen Hauptattraktion kürt. Sehr bewegend sind immer die Kinder, die einen mit ihren großen, neugierigen Augen anschauen. Zwei Packungen der 10 gekauften Packungen Kekse sind schon allein bei der Anfahrt weg. Die Menschen haben hier neben den schon bekannten Schlapphüten alles Mögliche auf dem Kopf. Je ländlicher es wird, desto ursprünglicher ist die Kopfbedeckung. Den Begriff ländlich muss man kurz erläutern. Nach unseren Standards ist selbst die Hauptstadt Maseru mit Schafherden als ländlich zu bezeichnen, so etwas hat man in der Berliner Innenstadt jedenfalls noch nicht gesehen, auch wenn die Grünen in Kreuzberg schwer dran arbeiten. Der Lauseplatz ist ja bereits teilweise gepflügt, die Schafe kommen bestimmt bald. Ich empfehle da eine Städtepartnerschaft mit Maseru. Auf dem wirklichen Land findet man dann die uralte Art das Land zu bewirtschaften. Man pflügt mit Ochsen, reitet und sehr oft sind Schaf- und Kuhhirten zu sehen.

Es sind runde oder zipfelmützenartige Strohhüte zu sehen, aber auch strumpfmaskenähnliche Mützen. Kurz vor meinem Ziel nehme ich dann zwei ältere Herren mit, von denen einer einen Bauhelm auf dem Kopf trägt. Hin und wieder sehe ich weitere Herren damit herumlaufen. Mein Ziel ist eine Polizeistation, an der ich mein Auto parken soll, und von wo mich die Lodge abholen soll, da die letzten 7 Kilometer nur mit einem 4x4-Wagen befahrbar sei. Man scheint es hier zu kennen und weist mir den Weg. Letztlich entscheide ich mich doch zu fahren, nachdem mir gesagt wird, dass mein Auto hoch genug liegt. Ich schaffe das.

Und schließlich ist das Ziel erreicht – der Ort Malealea. Die gleichnamige Lodge wurde in den 80er Jahren gegründet. Die Zimmer sind traditionelle Rundhütten und mit allem ausgestattet, was das Leben komfortabel macht. Die Idee dieser Lodge ist die Menschen, die hier leben mit den Touristen zusammenzubringen und ihnen eine Lebensgrundlage zu geben. Die Reitausflüge z.B. werden von den Einheimischen durchgeführt und sind genossenschaftlich organisiert. Teile der Einnahmen gehen an die Kommune, wovon dann Schulen, Infrastruktur und vieles mehr finanziert wird. Lesotho ist Anwärter in die Top 3 meiner beliebtesten Länder aufzusteigen.


Kommentare

Anonym hat gesagt…
Eine schöne Beschreibung deiner ersten Schritte in Lesotho,
klingt wirklich sehr sehr schön!!!
Liebe Grüße Christian

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