Olifants
Mein Camp liegt auf einem Berg und man schaut auf einen breiten Fluss, der wenig Wasser führt, aber immerhin so viel, dass Flusspferde darin das Jahr überstehen können. Die Camps im Kruger-Nationalpark sind überwiegend staatlich und einheitlich mit allem ausgestattet, was man so benötigt. Kein Luxus der Oberklasse, aber weit entfernt von billig. Eine Klimaanlage und ein Kühlschrank sind Standard. Der Kühlschrank steht auf der Veranda und ist in einer Gitterbox eingeschlossen. Das liegt nicht an stehlenden Touristen, sondern an den Affen, die alles plündern, was sie finden können. Gestern hat mir eine Horde den Papierkorb auseinandergenommen. Lässt man die Sonnenbrille draußen liegen, dann ist es Höchstwahrscheinlich, dass man die auf dem nächsten Baum wiederfindet. Die Unterschiede bei den Camps findet man fast ausschließlich in der Landschaft. Das Olifants ist da bisher herausragend im Wortsinne. In der Umgebung scheint es jede Menge Löwen zu geben. In jedem Camp gibt es eine Tafel, auf der jeder notiert was er wo gesehen hat, so dass man für den nächsten Tag ein Ziel hat und, wie fast jeder hier, auf DEN Fang hofft. In der Regel ist das der Leopard, der sehr schwer zu entdecken ist.
Außer einer Sonnenuntergangs-Pirschfahrt ist der Tag heute frei für viel Schlaf und Lesen. Weitere Tierlücken werden gefüllt. Hyänen und Wildhunde sehen wir, aber auch eine Löwin, die gerade jagt und dabei erfolglos bleibt. Giraffen und Elefanten nehmen langsam die Stellung von Impalas ein – sie sind allgegenwärtig. Die Impalas leben normalerweise als Gruppe zusammen, ein Männchen leitet einen Harem aus vielen Damen. Das muss er sich hart erkämpfen. Dafür darf er dann bei allen ran, muss aber die Damen vor Feinden beschützen, indem er ständig Ausschau hält und ggf. die Gruppe warnt. Das macht er gut und durchgängig, so dass keine Zeit zum Fressen bleibt. Man erkennt diese Leitböcke daran, dass sie, stressbedingt und durch Mangelernährung, irgendwann nicht mehr besonders gut zu Wege sind. Dann kommt die Stunde eines neuen Machthabers. Und so geht es weiter und weiter.
Als die Sonne untergegangen ist, befinden sich viele Tiere auf der Teerstraße, um sich zu wärmen, darunter auch ein Flusspferd, das blitzartig in den Busch verschwindet.

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