Reinfall

Eine der überall angepriesenen Muss-Man-Sehen Plätze in den Drakensbergen ist das Amphitheater, eine Gebirgsformation, die unglaublich schön sein muss. Laut GoogleMaps sind es dorthin 250 Kilometer eine Strecke. Als ich bei der Wander-App Komoot eine Wanderstrecke zum Amphitheater finde, die nur 150 Kilometer entfernt ist, bin ich ganz überrascht, erfreut und schnell auf der Strecke. Einen Anhalter nehme ich mit – ein ganz verschüchterter junger Mann, der in die nächste, 20 Kilometer entfernte Stadt zur Arbeit muss. Als ich ihn frage, wie er sonst dorthin kommt, antwortet er mir, dass es nur per Anhalter geht. Wie lange er denn normalerweise wartet, frage ich ihn weiter. Seine Antwort: oft bis zu 5 Stunden – für eine Strecke! Die Geduld der Menschen hier beeindruckt mich immer wieder. Ich kündige meine Rückfahrt am späten Nachmittag an und hoffe, dass der Rückweg auch klappt.

Am Eingang des Nationalparks gibt es hier eine Touristeninformation. Dort erklärt mir ein junger Mann den Wanderweg, meint aber, dass das Amphitheater eigentlich nur über einen anderen Eingang zu erreichen sei. Hier käme man nur an der einen Außenwand an. Blöd, aber eine Wanderung lohnt allemal. 8 Kilometer zu der Schlucht an besagter Wand eine Strecke mit etwa 400 Höhenmetern. Hm, schon eine Hausnummer. Aber ohne viel nachzudenken stiefel ich los. Meine Füße schmerzen eigentlich von Anbeginn, die Hüfte auch, die Knie und Schulter steigen ab halbem Hinweg mit ein. Anhalten geht gar nicht, dann kommt man nicht mehr weiter.


Am Zielort landet man dann in der Schlucht, ein recht kräftiger Fluss schlängelt sich durch große Felsen. Die App zeigt, dass man noch weitergehen muss. So sei es. Nachdem ich drei Mal immer wieder wohlbehalten von der einen Flussseite auf die andere balanciert bin, erreiche ich einen großen Felsen, der die einzige Möglichkeit bietet weiterzukommen. Ich stehe davor, überlege eine Strategie wie ich diesen fast 2 Meter hohen Felsen bezwingen kann und denke, das könnte funktionieren. Ach was, nicht könnte, MUSS, ich habe so vieles geschafft (Autofahrt in Eswatini), ich schaffe das!

Falsch!

Ich falle wie ein kleiner dicker Maikäfer rückwärts einmal komplett in den Fluss Der erste Gedanke ist: schön erfrischend, der zweite: Ach du Sch…, die Kamera! Sofort klettre ich triefend aus dem Fluss und finde die Kamera fast trocken im Rucksack. Puh! Der Rest ist mehr als nass. Anscheinend muss ich dringend Karmapunkte nachladen. Für das Verhindern des Falls hat es nicht mehr gereicht, aber immerhin dafür, dass ich nicht auf irgendeinen Felsen gefallen bin.

Mit dem Bildungsstand eines Schulabgängers der 80er Jahre erfolgt die Analyse und die Erkenntnis. Klar, ich habe Neigungswinkel in Relation zu Gewicht, Schwerkraft und Oberflächenbeschaffenheit falsch durchkalkuliert, das konnte so nicht funktionieren. Analyse und Erkenntnis Bildungsstand heutiger Schulabgänger: ich bin kein Auto! Bildung wird überbewertet: das Ergebnis ist dasselbe!

Den Rückweg trete ich erfrischt, aber gefühlt 10 Kilo schwerer an. Die Kamera hat dann doch etwas Wasser abbekommen und macht jetzt so mystische Nebelbilder. Die 8 Kilometer sind eine Tortur und ich gottfroh am Auto angekommen zu sein. Um mein Karmapunktekonto aufzufüllen, nehme ich einige Anhalter mit und lerne dabei einiges über Südafrika.

Der eigentliche Knackpunkt am heutigen Tag ist, dass mein Mobiltelefon beim Sturz einen Felsen erwischt hat und jetzt so sauer ist, dass es nicht mehr mit mir kommuniziert, sprich: das Display zeigt nichts mehr an. ALLES, was wichtig ist, ist darauf zu finden. Es ist Reisebüro, Bank, Fotoapparat, Fernseher, Telefon, Zeitung Reiseführer, Navigation, es ist ALLES! Alptraum! Das Ersatztelefon ersetzt zwar ein paar Dinge, aber insbesondere die Banking-Apps sind an ein Gerät gekoppelt.


Während draußen das heftigste Gewitter aller Zeiten niedergeht, recherchiere ich, ob irgendwo eine Reparatur möglich ist. Zeit dafür hätte ich morgen, denn ich wusste gar nicht wie groß Blasen an den Füßen sein können.

 

 

 


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