Warten aufs Christkind

 

Pietermaritzburg ist die Stadt in der Nähe, in der am wahrscheinlichsten eine Reparatur des Mobiltelefons möglich ist. Wenn es dort nicht geht, dann habe ich frühestens wieder Ende des Monats mit Kapstadt eine Chance. Mit viel Hoffnung fahre ich dorthin und nach kurzem Bibbern sagt mir die Dame in dem Samsung-Store, dass es möglich sei ein gebrauchtes Testdisplay einzubauen, das ich dann in zwei Wochen gegen ein neues austauschen könne. Vorausgesetzt natürlich, dass der Schaden sich darauf beschränkt. Blöd nur, dass ich in zwei Wochen definitiv nicht hier sein werde. Man würde aber versuchen in der Gegend andere Shops zu kontaktieren, ob dort nicht vielleicht ein neues Display auf Lager sei. Ich solle mich ein wenig gedulden und erst einmal einen Kaffee trinken gehen, man würde sich bei mir melden. Im nahe gelegenen Einkaufszentrum gehe ich frühstücken. Vor dem Cafe spielt die Heilsarmee vor einem riesengroßen Weihnachtsbaum Weihnachslieder. Nun hat mich die alljährliche Festivität eingeholt. Hätte nicht gedacht, dass es erst so spät geschieht, am 15. Dezember erst. Wie vor der Bescherung sitze ich beim Essen und warte auf den erlösenden Anruf, dass die Reparatur funktioniert hat und ein neues Display verfügbar ist. Derweil lese ich ein wenig über Pietermaritzburg und finde heraus, dass es zum einen Weltkulturerbe ist und zum anderen eine kleine Station eines großen Revolutionärs war. Ghandi hat lange Zeit in Südafrika gelebt und ist hier auf seiner Zugfahrt von Durban nach Johannesburg des Zuges verwiesen, da er als Nichtweißer gewagt hatte sich in die 1. Klasse zu setzen. Er weigerte sich aufzustehen und strandete hier kurzzeitig. Die Stadt hat das zum Anlass genommen ihm hier eine Statue in der Innenstadt aufzustellen. Ein mögliches Ziel bei baldigem Erfolg im Hinblick auf das Telefon.

Das Frühstück endet ohne den erlösenden Anruf, doch kurze Zeit später klingelt dann doch das Telefon und ich erhalte die erlösende Antwort, dass ich das Mobiltelefon abholen könne. Wow, insgesamt hat das keine 2 Stunden gedauert.

Ich schaue mir die Innenstadt mit der Ghandi-Statue an. Eine schöne Stadt, leider komplett heruntergekommen. Überall liegt Müll herum und Ratten kreuzen meinen Weg, die Häuser müssten dringend saniert werden. Etwas Anstrengung und man könnte die alte Schönheit wiederherstellen. In der Stadt gibt es viel sehr offensichtliche Armut. Bisher habe ich an keinem Ort in Südafrika so viel offensichtliches Elend gesehen. Viele der Menschen in der Innenstadt scheinen ein massives Drogenproblem zu haben. Mein Autowächter ist zutiefst dankbar über ein großzügiges Trinkgeld und ich unterhalte mich ein wenig mit ihm. Leider findet hier niemand einen Job, auch er nicht. Es gibt etwas Landwirtschaft, ansonsten nichts. Man sieht es leider.

 

 

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