Ende zweiter Teil
Heute endet der zweite Teil meiner Reise. Ich sitze am Flughafen und lasse die letzten drei Monate Revue passieren bei einem Mittagessen, das hier sogar am Flughafen bezahlbar ist. Warum habe ich eigentlich gar nicht mehr geschrieben? Zum Ende hin ist mir einfach die Luft ausgegangen. Die Choreografie meiner Reise hatte zum Schluss ein paar Längen. Die Garden Route mag phänomenal sein, wenn man gerade hier unten frisch ankommt, nach all den Eindrücken der letzten Monate bin ich jedoch nur noch schwer zu begeistern. Die Landschaft ähnelt mehr oder minder dem Tafelberg-Nationalpark, niedrige Büsche, die eine oder andere Gebirgskette, ein Strand jagt den nächsten. Alles vielfach gesehen. Was dazu kommt: das „Andere“ ist weg. Hier wohnen die Weißen und vieles erinnert an Europa. Die Weißen wohnen sehr hübsch, fahren große Autos, gehen schick essen und kaufen ein, während die Schwarzen die Arbeit verrichten, in Elendsvierteln ihr Dasein fristen, bedienen und laufen müssen. Diese Diskrepanz der Lebensverhältnisse springt einem täglich ins Auge, ohne dass man groß recherchieren müsste. Das mindert deren Lebensfreude aber scheinbar überhaupt nicht. Ich bin immer ausgesprochen freundlichen und sehr humorvollen Menschen begegnet. Ein Lächeln gibt es immer, ein Scherz sowieso - selbst in prekären Verhältnissen. Überhaupt habe ich alle Länder hier unten im südlichen Teil Afrikas als höchstspannend und einladend erlebt. Erwartet hatte ich nach der Recherche im Vorfeld definitiv etwas ganz anderes.
Ein weiterer Grund für das Motivationstief war zudem, dass das Wetter am Ozean recht wechselhaft war. Die Hälfte der letzten zwei Wochen hat es entweder geregnet, war bewölkt oder der Nebel zog vom Ozean auf das Land, so dass man kaum etwas sehen konnte. Naja, und nach so langer Reisezeit fehlt es selbstverständlich eben auch irgendwann an Energie und, als Alleinreisender an Austausch.
Gestern bin ich in Stellenbosch angekommen. Eine sehr schöne beschauliche, sehr lebendige Stadt mit unzähligen Restaurants. Bei 30°C trockener Wärme und kristallklarem Himmel ist mir das nächste Reiseziel Deutschland bei Minusgraden etwas gruselig. Aber zurück in Europa werde ich mir sicher wieder viel Motivation für die nächste Reise holen, angesichts der Jahreszeit wahrscheinlich ein erfolgreiches Unterfangen. Wenn ich Ende Februar wieder losziehe, dann bin ich bestimmt auch wieder voller Tatendrang und habe Neues zu berichten. Ab heute also Pause bis Ende Februar.


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