Hoffnung
Ein neues Jahr hat begonnen und da begebe ich mich auf die Suche nach der Hoffnung. Wer früh sucht, der findet. In Südafrika gibt es ein ganzes Kap voll davon – „Cape of Good Hope“ heißt es und ist eigentlich nur ein Felsen an einem Traumstrand, der am tosenden Meer liegt. Und doch: diese Beschreibung unterschlägt die Magie, die mit diesem sagenumwobenen Ort verbunden ist, und vor allem die unglaubliche Energie, die hier spür- und fühlbar ist. Das müssen sich sehr viele Leute so gedacht haben, denn der Weg dorthin ist voller Staus. Auf halber Strecke kann man noch Pinguine an einem Strand bewundern, wobei sich dort die Frage stellt wer hier wen bewundert. Massen an Touristen beglotzen eine kleine Zahl von Pinguinen. In Südafrika ist absolute Hochsaison und der 1. Januar der Tag, an dem wirklich alle frei haben. Alles ist voll und am Parkeingang heißt es erst einmal eine Weile warten. Man lässt nur jemanden rein, wenn ein Auto rausfährt. Der Eintritt beträgt hier knapp 20 Euro, was ich mit meiner Wildcard nicht bezahlen muss. Auch die Pinguine hätten 10 Euro gekostet. Die Jahreskarte für alle Nationalparks Südafrikas zu kaufen hat sich mehr als gelohnt. Auf dem Weg zum Kap fährt man an der False Bay entlang, eine sehr breite Bucht, die umgeben ist von Bergketten. Sehr häufig sind die Berge wolkenverhangen. Die frühen Segler sind dadurch häufig irre geleitet worden und 'falsch' abgebogen, weil sie meinten das Kap der Guten Hoffnung sei bereits umsegelt. Daher der Name "Falsche Bucht".
Das Kap der Guten Hoffnung befindet sich am südlichsten Punkt Afrikas, etwas nördlicher als Ushuaia in Südamerika oder der südlichste Punkt Neuseeland. Es liegt an dem Punkt, an dem Indischer Ozean und Atlantik aufeinandertreffen, also ein warmer Ozean auf einen kalten trifft. Das Ergebnis ist ein selbst bei gutem Wetter sehr aufgewühltes Meer und vor allem ein unglaublicher Wind, eher Sturm, wo einem als erstes der Gedanke durch den Kopf geht, dass es eigentlich unmöglich sein müsste, dass hier jemals ein Segelschiff heil vorbeigesegelt ist. Mein Weg führt mich erst zum alten Leuchtturm hoch. Dort oben muss man sich mit beiden Händen irgendwo festhalten, um nicht zu stürzen. Naturgewalt im Extrem bei strahlendem Sonnenschein. Der weitere Weg führt mich dann an einem türkisen Sandstrand entlang zum eigentlichen Kap der Guten Hoffnung. Dort hocke ich eine Weile und lasse die magische Atmosphäre auf mich wirken. Von der hiesigen Hoffnung packe ich ein wenig ein, damit die Stimmung in Europa sich vielleicht mal wieder aufhellt.

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