Unter Palmen

 


Salento ist ein kleines Dorf etwas 250 Kilometer westlich von Bogota. Von vielen Seiten habe ich gehört, dass man dorthin fahren muss, um die Nationalpflanze Kolumbiens zu bewundern, die Wachspalme.

Also setze ich mich in den Bus und denke eigentlich, dass a) das mit der Höhe nun endlich vorbei sein wird und b) die Strecke doch recht schnell zu bewältigen sein müsste. Denkste! Zwar geht es zunächst die Berge hinunter, irgendwann auf etwa 300 Höhenmeter, nur um dann wieder auf 3500 Meter hochzufahren. Das passiert mehrfach und zum Schluss bleiben wir immerhin unter 2000 Meter. Es geht kreuz und quer durch die Anden. Eigentlich habe ich auf Busfahrten keine Probleme, doch hier komme selbst ich an meine Grenzen. Aber ich merke eindeutig, dass es mir auf dieser Höhe definitiv besser geht. Bogota hat da wirklich einen Standortnachteil.


Gegen 18.00 Uhr komme ich in Armenia an. Von dort fährt ein kleiner Bus in das malerisch kleine Salento, etwa 20 Kilometer entfernt. Mitten in einem der vielen Kaffeeanbaugebieten befindet sich auf einem Berg umgeben von Gebirge das Dorf aus dem 19. Jahrhundert. Es ist so typisch südamerikanisch mit seinen einfachen Häusern, die allesamt wunderschön dekoriert sind. Türen und Fenster strahlen in allen möglichen Farben, es gibt etliche Restaurants und Bars. Und natürlich Hotels. Von all der Schönheit bekomme ich am ersten Abend nichts mit, da ein enormer Regenguss auf mich niederprasselt. Vom Bahnhof zum Hotel roll ich mich meinem Koffer zum Hotel und lasse es für den ersten Abend gut sein. Die Fahrt war eine ziemliche Strapaze, 12 Stunden für diese wenigen Kilometer.

Am nächsten Morgen muss mich mal langsam darum kümmern in das Tal der Palmen zu kommen, bin aber völlig ungeplant hierhergefahren. Als ich aber am nächsten Morgen den Ort erkunde, sehe ich, dass man nichts planen muss. Die Kolumbianer sind bestens organisiert. Vom Hauptplatz fahren Jeeps zum Cocora-Tal, wo die einzigartigen Palmen wachsen. Eine Fahrt kostet etwas über einen Euro und man fährt dann los, wenn der Wagen voll ist. Gedacht sind diese Wagen für 8 Personen, aber 14 passt auch. Man kommt sich nahe und so lerne ich ein Paar aus Kanada kennen, mit denen ich dann schließlich auch das Tal erkunde. 


 

Der Anblick ist phänomenal und ich habe so etwas bisher noch nie gesehen. In dieser Höhe ziehen Wolkengebilde an den Bergen vorbei bis in die Täler, lösen sich wieder auf, machen der Sonne Platz und bilden sich erneut. Die Quindio-Wachspalmen stehen verstreut oder in Gruppen an den Hängen und auf den Bergen und verschwinden immer wieder im dichten Nebel. Ein unglaubliches Schauspiel. Diese Palmen gelten mit bis zu 50 Metern, mitunter auch 60 Meter, als die weltweit größten. Zwar habe ich auf dieser Höhe ähnliches schon einmal gesehen, jedoch nicht mit Palmen, sondern entweder völlig baumfrei oder mit Nadelbäumen. Gemütlich wandern wir durch die Palmenhaine und freuen uns. Der heutige Tag hat mir einiges an Reiselust zurückgebracht.


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