Risiken und Nebenwirkungen
War ich erst einmal in einem Land und komme zurück, dann ist es immer so, dass ich das Gefühl habe ich käme nach Hause. Das war in Südafrika so, in Argentinien und natürlich in Thailand. Die große Aufregung was einen erwartet gibt es dann nicht mehr, weil man die wichtigsten Dinge bereits weiß: Geld, Simcard, Taxi, Hotels. Ich fühle mich sehr wohl und sicher in Kolumbien. Es ist warm, es ist preiswert und ich habe nicht das Gefühl mich überhaupt fortbewegen zu müssen bzw. zu wollen. Was die Gefahren betrifft, so ist es nachts sicher gefährlich, aber da bleibe ich zuhause.
Überhaupt Gefahren, es ist schon paradox: Die Deutschen (auch die Europäer im Allgemeinen) sorgen zuhause dafür, dass das Leben Vollkasko abgesichert ist. Jeder Unfall, jede Gefahr, jede Krankheit, einfach alles wird erfasst und quasi ausgemerzt. Die Kinder tragen Leuchtwesten, vor Schulen stapeln sich die Elterntaxis, die Bauvorschriften erlauben keinen Millimeter Abweichung von irgendwelchen Normen, die für Sicherheit sorgen sollen, die Lärmschutzverordnung sorgt für Ruhe, 30er-Zonen für möglichst wenig Feinstaub. Und dann kommt der erste Auslandsaufenthalt, der erste Urlaub in der Ferne und alle finden es total großartig und ultraspannend sich den Gefahren des Ziellandes auszusetzen. Die aufregenden Straßen und Bürgersteige, auf denen teilweise einfach die Gullideckel fehlen oder die steile Treppe, die auf dem Weg nach unten eine kaum sichtbare kleine Schwelle integriert hat. Man schläft in Betten, die sich quasi auf einer vielbefahrenen Straße befinden. Gern geht man auch auf Fahrradtour entlang einer maroden Schnellstraße,
Im Boot in Costa Rica schwärmte eine Mutter davon in welch gefährlicher Situation sie sich doch im Angesicht einer hochgiftigen Schlange auf dem Weg und gleichzeitig eines Leguans in Monstergröße mit einem Schwanz der schwer schmerzende Hiebe austeilen könne, befunden hatte. Auch ihre wohlbehüteten Kinder waren Teil ihrer Ausführungen. Ich bin mir sicher, dass nicht eines ihrer Kinder jemals allein zur Schule gehen durfte und alle Situationen, die auch nur ein aufgeschlagenes Knie bedeutet hätten im Vorfeld in aller Tiefe durchdacht und versichert wurden. Und wenn dann doch etwas geschehen ist, dann gab es sicherlich einige Klagen gegen die an dieser Unbill Schuldigen, die Kommunen, die Lehrer, die Politiker, der Nachbar oder wen auch immer.
Sicherlich werden diese Kinder gleich nach dem Abitur hierherfahren und das erste Mal in ihrem Leben auf einem Motorroller sitzen, mit dem Sie dann ungebremst direkt in die parkenden Autos fahren werden. Sie werden von Mücken gestochen und holen sich Malaria oder Dengue, leiden nach dem Baden im exotischen Binnensee an Bilharziose, stolpern irgendwo und verletzen sich, auf Schnellstraßen in direktem Kontakt mit Autofahrern, die von Abstand halten im Leben nichts gehört haben, (während die Eltern jahrelang für 5 Meter breite Radwege gekämpft und protestiert/geklebt? haben), stürzen ungesichert in Flüsse und holen dann quasi alles nach, was im eigenen Vollkasko-Land nicht möglich war.
An praktisch allen touristischen Orten kann man definitiv nicht vom TÜV geprüfte Touristenattraktionen benutzen: Bunjee-Jump- oder Ziplining-Anlagen, altersschwache Boote und Fähren und klapprige Autos sowieso und sich todesmutig in den Verkehr, den Sambesi oder den Regenwald stürzen. Das nennt sich dann wohl Exotik…..
Menschen brauchen anscheinend die Gefahr und die Aufregung. Ich selbst nehme mich dabei ja nicht aus, also gemach, wer nun denkt: der Idiot macht es ja selbst. Es ist nur ein Gedanke, der einem hier unweigerlich irgendwann kommt….
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