Auf nach Kuba
Lange her, dass ich so früh raus musste. Um 3.00 Uhr stehe ich auf, um meinen Flieger mit Stopover in Panama nach Kuba zu schaffen. Panama? Da war doch was: im Buch von Janosch sind die Protagonisten nie dort angekommen. Das werde ich selbst auch so halten und ein Stopp zählt nicht.
Durch das Internet bin ich schon wieder völlig nervös nach Kuba zu fliegen. Werden die meinen Krankenversicherungsnachweis akzeptieren? Ist der Rechtschreibfehler auf der Touristenkarte ein Hindernis? Gibt es weitere Dinge, die ich nicht beachtet habe? Ist mein zweites Mobiltelefon problematisch?
Keine der Horrorgeschichten aus dem Netz bewahrheitet sich. Ich werde sehr höflich hineingelassen und stehe nun, 20 Jahre später, erneut, aber diese Mal allein, in Havanna am Flughafen. Es sind die klassischen Erledigungen zu bewerkstelligen: Geld, Simkarte, Taxi. Die Simkarte erhalte ich in einem kleinen Shop mit 4 (!!!) Mitarbeitern. Kunden gibt es keine, sollte schnell gehen, so denke ich. Nö, erst bei der Dame Nummer eins die Frage beantworten, was ich will und warum. Ist sicherlich eine sinnvolle Frage, aber in einem Laden für Simkarten vielleicht auch etwas übertrieben. Es geht zu Dame Nummer 2, die ich überhaupt nicht verstehe, aber per Handzeichen und aus dem Kontext heraus – es geht um Simkarten – verständigen wir uns. Irgendwann sind wir am Ziel und die tatsächliche Simkarte soll eingesetzt werden. Hier kommen Mitarbeiter 3 und 4 ins Spiel. Nummer 3 geht zu Nummer 4, lässt sich die Karte aushändigen und bringt sie zu Nummer 2. Die gesamte Aktion dauert mehr als 30 Minuten. Aber immerhin: im Land der Revolution erlebe ich eine weitere Revolution: es gibt Mobilfunk und mobiles Internet!
Ein Taxi muss ich nicht suchen, sie suchen alle mich. Ein Herr gewinnt mich und ich werde über zwei weitere Herren quasi durchgereicht und lande in einem Auto, das mehrere Identitätswechsel durchhat und inzwischen selbst nicht mehr weiß was es mal war. Wichtig ist: es fährt. Mit der Bezahlung gibt es das Problem, dass der Fahrer Euro nicht wechseln kann. Auf der Fahrt wird durch mehrere Telefonate an der Lösung gearbeitet. Gelöst wird das Problem dann aber schließlich durch Kommunikation auf der „Autobahn“ mit anderen Fahrern. Wir halten an und das Wechselgeld ist gesichert. Kuba, alle arbeiten zusammen, um Probleme zu lösen.
Auf der Straße lasse ich dann die Eindrücke auf mich einprasseln. Ein erster Eindruck ist ein nagelneuer Riesen-BMW, der für mich so gar nicht hierhergehört. Kurz bin ich irritiert, ob ich im richtigen Land gelandet bin. Ein Plakat mit Fidel Castro und dem Spruch „Sozialismus oder Tod“ stellt dann aber sehr schnell klar, dass alles seine Richtigkeit hat. Die klassischen Oldtimer fahren dann auch links und rechts und kreuzen die Fahrbahn. Es fühlt sich ein wenig an, als ob man auf Safari ist und Elefanten sucht und dann endlich einen sieht. Und dann Unmengen.
Gesund und gespannt erreiche ich meine ‚Casa Particulares‘ inmitten der Altstadt um die Ecke vom Kapitol. Ganz oben auf einem Gebäude zwischen einer Ruine und einer Baulücke werde ich von Pepe, meinem Vermieter, herzlich begrüßt. Er vermietet drei Zimmer und wohnt selbst auf der oberen von zwei Etagen. Ich bewohne ein Zimmer direkt an einer riesigen Terrasse mit Blick über die Stadt, um die Ecke kann man sogar das Capitol sehen.
Eine Küche kann ich nutzen, ein Bad ist eigentlich für zwei Parteien, aber ich bin alleine hier. Viele Touristen gibt es seit der Covid-Zeit nicht mehr in Kuba. Ein Freund hilft mir das Problem mit dem Geld zu lösen. Auf Anraten eines Freundes bin ich mit Bargeld eingereist. Der staatliche Wechselkurs liegt bei 120 kubanischen Pesos für einen Euro. Die Leute tauschen tatsächlich auf dem Schwarzmarkt etwa 320 Peso für einen Euro. Es gibt sogar eine Internetseite, wo man den tagesaktuellen Marktpreis einsehen kann. Mein Freund organisiert das für mich und am Abend übergibt er mir zwei große Bündel mit Pesos. Marktwirtschaft ist nicht totzukriegen, auch hier nicht! Völlig erschlagen von den tausenden Eindrücken, den antiken Autos, dem Charme der verfallenden Altstadt, den unglaublich hübschen Menschen muss ich erst einmal eine Siesta abhalten, bevor ich mich am Abend in das Nightlife stürze.




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