Es stinkt
Am Montag war ich am Strand. Vom Kapitol fährt ein Touristenbus, den man nehmen kann, und der direkt nach Santa Maria fährt. Bezahlen muss man immer mit Devisen oder mit Kreditkarte, mit kubanischem Geld wird man nicht transportiert. Der Staat braucht Einnahmequellen. Die DDR lässt grüßen. Knapp 40 Minuten später befinde ich mich am Meer, vor mir ein langer Sandstrand, der übersät ist mit leeren Getränkedosen. Man kann inmitten dieses Dosenmeeres einen Sonnenschirm und einen Stuhl mieten. Die Verkäufer nehmen dankend das Geld für diese Dienstleistung, die Dosen wegzuräumen fällt nicht in ihre Zuständigkeit. Da das dann aber auch nicht einladend ist, gehe ich einfach ein wenig spazieren. Schön, aber nicht spektakulär, so dass ich recht bald wieder zurück in die Stadt fahre. Abends schlendere ich gerne durch die alte, bruchreife Stadt und mir fällt auf, dass es durchweg elendig stinkt.
Havanna ist ein großes Urinal. Überall in den Kolonnaden und an dunklen Ecken herrscht ein unglaublicher Gestank. Öffentliche Bedürfnisanstalten gibt es nicht, Restaurants, wo man mal eben austreten könnte, sind selten und sehen es zudem auch nicht gern, wenn jemand nur auf das WC möchte. So bleibt die große weite Stadt für diesen Zweck. Am Malecon gibt es von der bebauten Seite zur Kaimauer einen Tunnel unter der Straße, den man nicht lebend durchschreiten kann, spätestens auf der Hälfte wird man von den Giftgasen ohnmächtig.
Man (n) erleichtert sich eben überall. Ich bin mir sicher, dass es nicht nur die Bettler sind, die im Vergleich zu früher zahlreich in der Stadt zu sehen sind. Die Armut ist frappierend. Gleichzeitig existiert aber inzwischen eine Oberschicht, der es an nichts zu fehlen scheint. Mit dem kubanischen Freund eines Freundes aus Hamburg treffe ich mich in einer Bar am Malecon und ich staune nicht schlecht: Alles vom Feinsten, Einrichtung, Barkeeper und Kleidung der Leute. So auch die Preise. Nach Schwarzmarktumtauschkurs zahle ich für 4 einfache Getränke knapp 12.000 Pesos, um die 36 Euro. Heftig und Europaniveau. So ganz lässt sich das nicht mit meinem Bild von Kuba vereinbaren, aber es gibt ja offensichtlich ziemlich viel Wandel. Man fängt mit dem Wandel einfach bei den Preisen und den Bettlern an. Auf jeden Fall gebe ich weit mehr Geld aus, als ich kalkuliert hatte. Mein Bargeld ist alle und mit der Kreditkarte bei einer Bank Geld abzuheben ist idiotisch, da der offizielle Umtauschkurs absurd schlecht ist. Mit dem offiziellen Kurs hätte der gestrige Abend mit den 4 Getränken weit mehr als 100 Euro gekostet. Mit der Kreditkarte zu zahlen, geht sowieso nicht. Also tausche ich heute Abend die restlichen 70 Euro um und hoffe damit bis zum Sonntag durchzuhalten. Mein neuer Vermieter – ich bin heute direkt an den Malecon gezogen – tauscht sie mir zu einem Kurs von 1:370. Erst jetzt wird mir klar, wie sehr mich der vorherige Vermieter über den Tisch gezogen hat. Auf mehrfache Nachfrage, ob es denn keinen besseren Kurs gäbe, sagte er immer wieder das Maximum, das ich bekommen könnte in dieser Stadt, läge bei 1:310. Er hat sich gut 20% in seine Tasche gesteckt. Wäre kein Ding, aber er hat mich schlichtweg angelogen, mehrfach und bewusst. Ich bin ernsthaft sauer und mein Vertrauen ist dahin, denn ich hatte wirklich geglaubt ihm vertrauen zu können! Sehr schade.



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