Kolumbien - el fin


Manches habe ich zu Kolumbien ja schon erwähnt. Vergleiche ich dieses Land mit anderen süd- oder mittelamerikanischen Ländern, dann gefällt es mir hier definitiv am besten. Die Menschen sind recht entspannt und nett, es wird zwar auch gelärmt, sich aufgeregt, gehupt und ganz sicher gibt es auch Kriminalität, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Jedoch habe ich mich hier – wie auch in Costa Rica – sehr sicher gefühlt und bin auch in der Dunkelheit zu Fuß nach Hause gegangen oder mit einem Taxi an abgelegene Orte gefahren. In Brasilien wäre das völlig undenkbar gewesen. Nachts und tagsüber auch.



Ich hatte das Glück die letzten Wochen recht viel mit Einheimischen sprechen zu können und glaube einigermaßen Einblick erhalten zu haben, wie dieses Land funktioniert. Dabei hat sich aber eben auch die Kehrseite der Medaille gezeigt. Sehr viele Menschen sind bettelarm und nur unzureichend, wenn überhaupt, staatlich versorgt. Der Mindestlohn, ich mag es erwähnt haben, liegt bei 1.300.000 Millionen kolumbianischen Pesos und entspricht ca. 330 Euro. Zur Einordnung: z.B. Käse kostet hier ein kleines Stück bereits über 20.000 COP (ca. 4.80 €),  Wurst um die  30.000 COP (7,50€). Brot und Milch um die 2 Euro, Butter 3-4 Euro. Eine Abstellkammer als Zimmer kostet im Monat zwischen 600.000 und 900.000 COP (150-225€) in prekärer Stadtrandlage. Eine Fahrt mit der Metro, egal wie weit, kostet 3.300 COP. Mir ist es ein Rätsel wie es Menschen geben kann, die von diesem Salär existieren können.  Diejenigen, die zwar nicht bettelarm sind und ein klein wenig haben, holen es sich von denen, die auf den Stufen unter ihnen stehen, um ein nicht ganz so prekäres Leben zu leben. Das sind dann diejenigen, welche die Abstellkammern vermieten. Mieterrechte gibt es dabei keine. Die Miete wird auch gern durch zu leistende intime Gefälligkeiten ergänzt. Die Reichen laufen außer Konkurrenz und halten sich in Stadtteilen auf, die bestens überwacht sind bzw. deren Infrastruktur gut ausgebaut ist, so dass man auf glatten Straßen direkt in die hauseigene Garage in die Sicherheit fahren kann. Dabei hält man sich weder an Zebrastreifen noch an rote Ampeln. Für den Fußgänger bleibt nur höchste Achtsamkeit, nicht nur vor den Autos, sondern auch und insbesondere auf den schlecht Instand gehaltenen Fußwegen. Gullideckel fehlen häufig, Löcher sind Standard und meist kann man die Fußwege mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl allein wegen ihrer Breite nicht nutzen. In Medellin habe ich heute dann das Ergebnis deutscher Steuergelder bewundern können. In Laureles, vergleichbar mit Prenzlauer Berg in Berlin, existieren Fahrradwege, die vereinzelt sogar benutzt werden – von den wenigen Reichen, die sich ein Fahrrad neben dem Auto leisten können (und dazu lebensmüde genug sind auch wirklich in der Stadt zu fahren). Aus der Perspektive der Bettler und Obdachlosen erscheint dieses neuartige Werk der hiesigen Infrastruktur sicherlich absurd. Große Beachtung schenken sie dem jedoch anscheinend nicht, denn auch dort werden die Gullydeckel entwendet – für den Lebensunterhalt, denn das Metall kann man gewinnbringend verkaufen. Vielleicht erklärt sich auch dadurch, dass diese Fahrradwege nicht wirklich zahlreich genutzt werden. Nun, es hilft vielleicht dem Gewissen deutscher SteuergeldausgebenderInnenden.

Kurz: ja, Kolumbien ist schön, insbesondere Medellin, wo ich gerade eine Woche verbracht habe, die Menschen sind sehr nett, allerdings ist es bei intensiverer Betrachtung auch in vielen Bereichen sehr sehr traurig.

So endet mein Aufenthalt in Kolumbien am Samstag mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Ich schaue mal nach Kuba, ob die Welt da gerechter, weil gleicher, ist...



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