La Habana
Den ersten Abend verbringe ich in der Subkultur Havannas. War vor 20 Jahren der Malecon ‚the place to be and to meet’, so hat sich das Geschehen heute etwas weiter in die Stadt verlagert. In Vedado gibt es eine Revuebar namens „Las Vegas“. Hier gibt es die üblichen Dragshows, die ich zuhauf und weltweit gesehen habe, aber so sehr viel mehr gibt es nicht, wo man hingehen kann. Also ist das nun eben der Ort, wo man hingeht. Leider öffnet alles extrem spät – dieser Laden gegen 23.00 Uhr. Das ist so gar nicht meine Uhrzeit. Nebenan gibt es aber eine Art Schnellrestaurant, wo sich die Meute vorweg trifft. Ein Showlaufen sondergleichen. Ins Las Vegas gehe ich schließlich gar nicht, sondern übe Spanisch mit den Kubanern auf der Straße. Man muss sich schon sehr anstrengen allein dort zu stehen. Irgendwer quatscht einen schon an. Schließlich stehe ich am frühen Morgen noch immer bei lauen 26 Grad draußen auf der Straße und genieße die Atmosphäre sehr.
Der Sonntag beginnt entsprechend spät. Die Empfehlung des Tages ist ein Rumba-Event. Eine Band spielt, einige Leute tanzen und eine Transe in vollem Ornat dient als Fotomotiv – con gusto – sie hat ganz offensichtlich einigen Spaß. Die langen Haare sind aus alten Videobändern recycelt und der Rest ist einfach wunderhübsch anzuschauen. So auch die weiteren Teilnehmer vor Ort. Viele „typische“ Kubaner mit der Zigarre in der Hand wie man es von den Fotos kennt. Dabei gar nicht nur Alte, sondern auch einige Junge. Alle Hautfarben gemischt. Auffallend ist, dass es wenige Touristen hier gibt, was sich aber durch die gesamte Stadt zieht. Dazu später mehr.
Was die Hautfarben betrifft, so habe ich den Eindruck, dass es schlichtweg keine Rolle spielt, wie hell oder dunkel jemand ist. Sollte es so sein, dass die Diskriminierung hier nicht existent ist? Jemand, ein Schwarzer, mit dem ich mich ausführlich unterhalte, erzählt mir von seiner Zeit in der Schule und dass die Erziehung sehr intensiv gegen Diskriminierung arbeitet. Ob das so stimmt, kann ich nicht überprüfen, aber es würde zu dem passen, was ich sehe. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern habe ich hier selbst als blonde Leuchtboje nicht das Gefühl, dass es die Leute sonderlich interessiert, mal abgesehen in den Bereichen, wo viele mich als wandelndes Portemonnaie sehen, auf ein Geschäft hoffen. Ein langer Spaziergang führt mich weiter durch die Altstadt von Havanna durch weite Teile von Vadero. Die Straßen sind leer, weder gibt es Autos noch besonders viele Menschen auf den Straßen. Vereinzelt existieren kleine Läden, die praktisch im Wohnzimmer der Leute angesiedelt sind, wo man Wasser und einige Lebensmittel am Fenster kaufen kann. Auch hier viele Hinweise auf Marktwirtschaft. Nach vielen Kilometern rufe ich mir ein Taxi. Das geht hier mittlerweile auch über eine App, ähnlich der von Uber. Staatliche und private Taxis können dort die Fahrten annehmen. Der Preis läuft nach Angebot und Nachfrage. Ich liebe es, denn auch hier weiß man immer welcher Preis angemessen ist und man fühlt sich nicht über den Tisch gezogen. Ich gewinne den Eindruck, dass es in Kuba bitter nötig geworden ist sich zu öffnen und mehr zuzulassen. Wie erwähnt gibt es extrem wenige Touristen, das Land hat sich von Covid immer noch nicht erholt. So ist es inzwischen zwar leichter für die Touristen, Internet, Läden, nicht mehr nur Bohnen und Bananen, für die Menschen selbst ist es aber nach wie vor eine Katastrophe. Einfachste Dinge sind nicht zu bekommen und ich werde andauernd darauf angesprochen, ob ich nicht etwas Shampoo oder Seife übrig hätte bzw. irgendwelche alte Kleidung. Das macht mich schon sehr nachdenklich. Und dennoch ist Havanna aufregend, bunt, voller schöner, interessanter und sehr sehr netter Menschen voller Einfallsreichtum und mit einem Lächeln im Gesicht.




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