Mangel
he, juckt es mich am Kopf, ungewöhnlich und sehr stark. Die schnelle Recherche im Internet lässt vermuten, dass es die kleinen Kopftierchen sein könnten. Zwar kann ich weder etwas erfühlen, noch sieht man etwas auf den "Kopfselfies". Um auf Nummer sicher zu gehen, suche ich eine Apotheke in der Nähe und laufe dorthin. Sie ist da, sie ist offen und es sitzen zwei Damen darin. Allerdings gibt es nichts darin, was nach Apotheke aussieht. Der Laden besteht aus leeren Regalen, so dass ich vermute, dass das Geschäft eben nicht mehr existiert. Falsch: es ist nach wie vor eine Apotheke, nur gibt es eben nichts! Mir wird eine hoteleigene Apotheke im Hotel Inglaterra empfohlen. Dort gibt es genau 2 kleine Päckchen mit Verbandszeug und eine uralte Packung Paracetamol. Immerhin beruhigt mich die Apothekerin nach ihrer Inspektion meines Kopfes und diagnostiziert einen Sonnenbrand. Könnte hinkommen. Eine Person, der ich irgendwo begegne, erzählt vom Drama um ihre Mutter, die unter schwersten Schmerzen im Krankenhaus einen elenden Tod erlitten hatte. Es gibt nichts, keine Schmerzmittel, keine Antibiotika, kein Verbandszeug. So bittet sie mich auch um ein paar Pillen, da sie Schmerzen habe. Dieselbe Frage wird mir immer wieder gestellt. Ich löse meine Reiseapotheke auf und verteile was ich habe. Das weltweit hochgelobte Gesundheitswesen in Kuba liegt am Boden. Ein Arzt verdient nicht genug, um seine Familie zu ernähren und fährt nach Feierabend Taxi, Lehrer gehen putzen . Sehr viele verlassen das Land. Im letzten Jahr hat eine Million Kubaner das Land verlassen, in der Regel für immer. Aus der Ferne halten sie mit den Geldern, die sie nach Hause schicken, das Land halbwegs am Laufen.
Was die Einfuhr von Medikamenten betrifft, so gibt es eine Liberalisierung, man kann einen ganzen Koffer voll mit Medikamenten sowie Lebensmittel zollfrei mitbringen. Das ist relativ neu und im Hinblick auf die Lebensmittel offensichtlich nötig. Die Menschen hungern! Dem Land fehlt es an genügend Nahrungsmitteln, um die Bürger zu ernähren. Bei meinen Streifzügen durch die Stadt erzählen mir mehrere Leute, dass sie im Monat etwa 5 Euro aus Gelegenheitsarbeiten verdienen. Seit der Pandemie finden sie keine richtige Arbeit mehr, von der sie leben könnten Mehr als eine Mahlzeit am Tag ist in der Regel nicht drin. Das betrifft die Mehrheit der jungen Kubaner. Sie alle arbeiten nicht, für sie ist nichts da. Das tägliche Überleben ist ihre Arbeit. Für die Rentner sieht es nicht besser aus. Sie erhalten vom Staat 1500 Pesos, was etwa 4 Euro sind. Viele Kubaner sind spindeldürr. Mir wir erzählt, dass es in Havanna noch etwas besser aussieht, auf dem Land fehlt darüber hinaus der Strom, weil die Elektrizitätswerke immer wieder die Produktion einstellen müssen, da Ersatzteile nicht existieren. Im Osten des Landes gibt es daher oftmals nur 12 Stunden am Tag Strom. Die Infrastruktur verfällt. Nach und nach entblättert sich Kuba und ich bin teilweise schockiert. Mir fehlt es selbst mit all diesen Berichten an Phantasie, was all das bedeutet, wenn man hier leben muss. Die Menschen müssen extrem wütend sein und sind es auch.
Da ist die neueste Verschärfung der Restriktionen im Hinblick auf Kritik seit letztem Monat nur logisch und rundet das Bild ab. Auf Kritik sind die Strafen angehoben worden. Allein die Tatsache, dass ein Kubaner mit einem Ausländer spricht, kann schon zu Gefängnisstrafen führen. Dennoch ist es ein leichtes mit den Menschen über alles zu sprechen.



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