Zerfall und Aufbau – ein Wettlauf gegen die Zeit

Die Altstadt wird bald nicht mehr da sein. In jeder Straße gibt es bereits Lücken, Häuser sind endgültig verloren gegangen, die restlichen stehen irgendwie noch aufrecht. Sanierte Häuser gibt es nur an den zentralen touristischen Orten rund um den Prado oder dem Kapitol. Hier sind die großen Hotels zu finden, die man sehr schön saniert hat. Sobald man in die Nebenstraßen schaut, zeigt sich allerorten dasselbe Bild. Kaum ein Haus, das nicht kurz vor dem Zusammenbruch steht. Auf der Straße spricht mich eine etwa gleichaltrige Dame an, als ich Fotos mache. 



Es entwickelt sich ein schönes Gespräch über die Schönheit der Gebäude und der Trauer darüber, dass alles zerfällt. Baumaterialien gibt es keine und wenn, dann schafft man es nicht in der nötigen Geschwindigkeit der Lage Herr zu werden. Als ich ihr sage, dass ich das erste Mal vor 20 Jahren hier gewesen bin, fragt sie mich, ob ich die Stadt wiedererkenne, denn es hätte sich schon sehr viel geändert. So ist es inzwischen, wie ich vermutet hatte, leichter ein eigenes Geschäft zu eröffnen – sofern man die notwendigen finanziellen Mittel dazu hat, denn es gibt keine Banken, die einem mit einem Kredit aushelfen. Kleine Lebensmittelläden sind überall entstanden, Restaurants in Privatbetrieb und selbst Häuser befinden sich teilweise in Privateigentum und werden vermietet. Die Mieten sind dann aber in Dollar zu zahlen, der Zweitwährung seit Ewigkeiten. Die Restaurants sind oft superschön und liebevoll eingerichtet mit dem was es gibt. 

So ziemlich alles garantiert antik. Man wirft hier nichts weg, alles wird wiederverwendet. In den privaten Betrieben wird man umsorgt und herzlich begrüßt, sobald man allerdings an irgendetwas staatliches gerät erhält man das Gefühl ein nerviger Störfaktor zu sein.

Obwohl es höchst gefährlich ist offen Kritik zu äußern, erzählt eigentlich jeder über die Probleme und Zustände des Landes. Mitunter gerät man aber an Personen, die sehr verhalten sind. Ein Taxifahrer, den mich einmal gefahren hat, ist ganz offensichtlich 100 Prozent linientreu. Ich stelle ja gerne Fragen, aber die hat er nur sehr humorbefreit beantwortet und eigentlich dauernd darüber gemosert, dass sich so viele Menschen nicht an die geltenden Regeln halten würden.

Meine Wege führen mich jeden Tag ziellos durch die Stadt und immer wieder entdecke ich Orte, an denen es sich lohnt, kurz zu verweilen und die Ansichten zu genießen.



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