Es ist ja kaum zu glauben, aber ich habe eine Verabredung zum Abendessen! Ja, richtig gelesen: V E R A B R E D U N G. Bei all der Herumstreunerei ist das eher die Ausnahme. Die beiden Deutschen, die ich in Laos traf, fragten an, ob ich in Bangkok sei – bzw. sie vermuteten es und so hatte ich einen netten Abend (Gruß an dieser Stelle). Dabei hatte ich die Gelegenheit ein für mich bisher nicht so bekanntes Viertel in Bangkok zu erkunden. Die arabische Abteilung. Das Land der Kopisten kopiert nämlich nicht nur Medien, Waren usw., sondern ist auch ziemlich gut darin ganze Kulturen in ihrem Land auferstehen zu lassen. Und das ganze läuft höchst erfolgreich. Die Straßen sind in dieser Gegend voll von Vermummten. Der Gast aus Saudi Arabien hat seine gesamte Entourage dabei. Die fünf Ehefrauen, sechs Mütter und acht Tanten sind brav nach Vorschrift zugemummt, während der Gatte, da bin ich mir sehr sehr sicher, die religiösen Vorschriften in Thailand etwas laxer auslegt. Läuft man zunächst an unzähligen Schischa-Cafès vorbei, kann schweinefleischbefreit essen gehen und alles genießen, was das arabische Herz so begehrt, bedarf es nur eines kleinen Schwenks und schon ist man wieder im „Barbusiness“, wo das Begehren etwas weiter unten angesiedelt ist. Wünschten es die Gäste, würden sich die Damen dort natürlich den religiösen Vorschriften des Touristenherkunftslands entsprechend kleiden, aber das ist wohl nicht wirklich erwünscht. Ganz so hunderprozentig soll die Heimat dann doch nicht nachgebildet werden. Insgesamt muss man manchmal schon ein bis zwei Augen zudrücken, um für sich den Schein zu wahren, denn auch wenn die kleinen Thais dann in arabischer Tracht im Restaurant kellnern, ein Thai bleibt ein Thai. Klein und lustig. Das gesamte Erscheinungsbild ist eben nur eine Kopie, aber eine sehr komische. Ganz dem Motto der Thais entsprechend, alles geht was Spaß macht. Wer möchte kann lecker German Schnitzel essen gehen, welch eine Beleidigung für unsere österreichischen Nachbarn. Natürlich fehlt es auch nicht am Irischen Pub, dem Restaurant „El Torro“ und den ganzen amerikanischen Restaurants der gehobenen Esskultur.
Bin ich in Bangkok, so gehe ich immer zu Coffee-World, da die mir dort W-LAN bieten. Lecker Käsekuchen und Kaffee und der Tag ist mein Freund. Einigermaßen erschrocken bin ich aber über diese komischen roten Zipfelmützen, die das Personal trägt. Kommt mir bekannt vor. Au weia – das ist jetzt die Weihnachtskopie. Grusel. Und was kommt jetzt? Ein Weihnachtsbaum aus Plastik, man kann ja nicht jedes Jahr einen neuen importieren, mit bunten Blinklichtern. Fassungslos, völlig fertig entfliehe ich nach draußen und - oh Graus – in der Zwischenzeit ist hier auch alles Richtung Weihnachten dekoriert. Schnell in die U-Bahn, aber auch dort ist es nicht besser, die Fahrkartenverkäufer haben weihnachtlichen Kopfschmuck angelegt. Dann also ins Kino: Kartenverkäufer und Platzanweiser mit Rentierhörner auf dem Kopf. Lieber Gott, wo ist der letzte weihnachtsbefreite Ort auf dieser Welt? Weise mir den Weg! Muss ich dafür wirklich in den Tschad reisen? Ich hasse Globalisierung!
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