Tonkrüge


Eine frostige Nacht endet mit einem strahlend sonnigen Tag. Es gilt die Tontöpfe zu besichtigen, von deren Zweck ich nun eine andere Version höre, nämlich dass sie letztlich als Urnengräber dienten. Recht große Urnen allerdings, 2,50 m misst die höchste. Drei Flächen mit Tonkrügen sind inzwischen von Munitionsräumtruppen gereinigt worden, andere stehen noch zur Säuberung an. Ein vierter „Friedhof“ soll eigentlich dieses Jahr fürs Publikum geöffnet werden. Dem gegenüber steht jedoch die asiatische Gemütlichkeit, so dass es wohl noch einige Monate dauern wird. Die Landschaft besteht aus grasbewachsenen Hügeln und ist übersäht von Bombenkratern. Auf den Hügeln sieht das aus, als hätte die Gegend irgendwann mal an den Pocken gelitten. Alle Weg der Besichtigungsgebiete sind mit Pfeilern abgesteckt, die anzeigen, welche Gebiete bereits von Munition gesäubert wurden und welche lediglich oberflächlich abgesucht worden sind. Über drei Gebieten in Laos haben die Amerikaner über neun Jahre alle 8 Minuten eine Fliegerladung Bomben abgeworfen, pro Laoten in diesen Gebieten eine Tonne, von denen jede Dritte nicht explodiert ist. Geschätzte 500.000 Bomben warten nun im Untergrund darauf, dass sie ihrem eigentlichen Zweck, der Explosion, zugeführt werden. Ich fordere das lieber nicht heraus und bewege mich in diesen Abgrenzungen. Anders als die Laoten, die gar nicht anders können, als weiter ihre Felder zu bewirtschaften bzw. um dem Hunger zu entfliehen, neue anzulegen. Die Kinder wollen ernährt werden und da hier die Polygamie gelebt wird, der Vater unseres Guides hat drei Ehefrauen (eine ist für 2 kg Silber zu haben), und aus jeder Verbindung durchschnittlich fünf Kinder hervorgehen, sind das einige Mäuler, die zu stopfen sind. Viele Laoten sind daher durch Blindgänger ums Leben gekommen. Nach wie vor sterben jedes Jahr zwei Dutzend Menschen und werden hunderte schwer verletzt und verstümmelt. Ihre Kinder, nunmehr Weisen, leben im SOS Kinderdorf, welches hier vor 10 Jahren aufgebaut worden ist. Aber wenn man einen Lernprozess erwartet, so wird man ja gerade derzeit eines Besseren belehrt. Wie viele Menschen wohl im Irak im Laufe der nächsten Jahrzehnte im Namen der „Freiheit“ büßen müssen?

Die Landschaft erinnert eher an Australien als an Laos, denn die südostasiatischen Eigenheiten, Dschungel, stickige Hitze usw. findet man hier absolut nicht, vielmehr steht man vor karger Landschaft, in die Eukalyptusbäume gepflanzt worden sind. Der Tag fühlt sich eher so an wie ein schöner Spätsommertag in Deutschland. Gefördert wird dieser Eindruck auch dadurch, dass wir fünf Deutsche sind, die an diesem Ausflug teilnehmen. Ein armer Hongkongchinese ist auch dabei und steht auf relativ verlorenem Posten etwas abseits, da die Ausflugsamtssprache heute doch eher deutsch ist. Es ist komisch so kontinuierlich und selbstverständlich meine Muttersprache zu sprechen und meine armen Hirnzellen haben viel zu tun jetzt wieder aus dem Englischen, das mir manchmal eher auf der Zunge liegt, ins Deutsche zu übersetzen. Den Verfall meiner Hirnzellen konnte ich auch heute Morgen mit Schrecken feststellen, als ich merkte, dass mein Rucksack mit der Kamera nicht im Zimmer war. Ich hatte ihn gestern abend im Internetcafè vergessen. Das Adrenalin hilft jedoch beim Aufwachen und es ist wieder einmal gut gegangen. Die Laoten sind nicht minder ehrlich als die Thais. Was mach ich bloß in Südamerika? Dort soll es etwas rauher abgehen.

Tja, und dann ist da am Dienstag wieder eine 9stündige Busfahrt ohne Highlights, die pro Forma einfach nur erwähnt werden soll. ERschöpft zurück in Vientian und Morgen dann zurück nach Bangkok - auch nicht soo spektakulär - aber man weiß ja nie was so kommt.


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