Unterrichten
Meine Spaziergänge entlang des Flussufers bleiben nicht unbemerkt und kleinere Grüppchen von Chinesen oder Chinesinnen streunen in meiner Nähe herum. Meine Erfahrungen besagen, dass es immer irgendwie ums Verkaufen geht. Also halte ich mich zurück Weise in Kontakt zu treten. Zwei junge Chinesinnen nähern sich und sprechen mich an. Zu verkaufen haben sie nichts…. Hmmm, hübsch sehen sie aus….. Mir schwant fuerchterliches….. FLUCHT!
Dreißig Meter weiter ein erneuter Annäherungsversuch, dieses Mal von zwei Chinesen. Nicht hübsch, auch ohne etwas zu verkaufen. Also lasse ich mich auf ein Gespräch ein. Reiseführer, die ihre Dienste anbieten, um mir die Gegend zu zeigen. Keine Lust, denn ich kann ganz gut alleine die Gegend erkunden. Wieder zurück, die Chinesinnen von vorhin. Und dieses Mal bin ich weniger misstrauisch. Berechtigt: sie wollen einfach nur englisch sprechen.
Was macht man, wenn man kein Geld für englische Muttersprachler hat, aber als Staat dennoch will, dass möglichst viele Chinesen die Sprache lernen? Man eröffnet eine Sprachschule mitten in einem idyllischen Dorf, in dem möglichst viele Touristen aus dem Westen absteigen und gibt diese zur Jagd frei. Und das ist wörtlich zu verstehen!
Ich bin zurück im Job und verbringe den Abend als Englischlehrer. Meine beiden Schülerinnen zeigen auch nach 3 Stunden keinerlei Ermüdungserscheinungen. Eine ganz neue Erfahrung: Man erklärt ein Wort und die Augen der – amtsdeutsch – zu Beschulenden werden vor Staunen und Wissbegierde immer größer. Bisher kannte ich nur das Gegenteil – sich schließende Augen!
Zieh Dich warm an, Deutschland! Es warten hier Millionen lerngieriger, junger Menschen voller Enthusiasmus, Motivation und Ehrgeiz etwas zu erreichen. Dagegen steht ein schlapper Haufen unmotivierter deutscher Schüler mit einem Anspruchsdenken vom Feinsten (3000 netto müssen es schon sein) und einer „Leckmich“-Einstellung.
Ich habe jedenfalls jede Menge Spaß und weiß wieder: das ist mein Job! Es sind die Umstände zuhause, die so unglaublich übel sind!
Deutsche werden in der Welt übrigens immer noch als ernste, biertrinkende, vollständig mit Regeln und Gesetzen durchorganisierte, Qualität erzeugende und permanent Auto fahrende Wesen wahrgenommen. In der ersten Lektion lernen wir also die Begriffe „Ruf“ und „Vorurteil“. Es folgen „kommunistische Partei“, „Demokratie“, „Weltkrieg“, „sich ärgern“ und „mediale Beeinflussung“ im Hinblick auf die Japaner. Ein wenig Eigennutz kann ich mir nicht verkneifen und versuche dem deutschen Milchkonsumenten unter die Arme zu greifen. Ich erkläre den beiden Chinesinnen, dass Milchkonsum Zwergenwuchs verursacht – sehr zum Erschrecken der Jüngeren, die geschätzte 1,45 m groß ist. Meine Antimilchkampagne wirkt! Der halbe Süden Chinas ist bereits milchfrei. Angie, Du brauchst nicht herzukommen, das mit den Spielzeugen und der Spionage kläre ich auch noch!
Ich selbst lerne, dass die Ein-Kind-Politik erst Mitte der 80er Jahre eingeführt wurde (was erklärt, dass ich viele Chinesen mit Geschwistern kennen lerne) und dass die Bauern, sollte das erste Kind ein Mädchen sein, einen zweiten Versuch frei haben. Das Erzeugen eines zweiten Kindes durch einen Staatsangestellten führt zur fristlosen Kündigung und zu einer Geldstrafe. Ansonsten versuche ich mehr über das Verhältnis der beiden zum Staat, zur Regierung und zum System allgemein zu erfahren. Ja, sie hätten es gerne anders, aber tun könnten sie nichts. In einem gewissen Rahmen sei es auch möglich zu sagen, dass man nicht einverstanden sei mit den Umständen, jedoch nur soweit, dass man das System als solches nicht in Frage stellt. Insgesamt hätte sich alles jedoch seit einigen Jahren wesentlich verbessert. Die Menschen hätten im Gegensatz zur Mao-Zeit zu essen. Das klingt einigermaßen indoktriniert und auswendig gelernt, obwohl ich ihnen auch einiges davon wirklich glaube. Es scheint einige neue Freiheiten zu geben. Jeder habe es in der Hand aufzusteigen. Die Müllsammler in jedem Dorf und jeder Stadt sprechen jedoch eine andere Sprache!
Auch in den Dörfern sieht es keinesfalls nach Aufstieg aus. Es herrscht bittere Armut, aber dennoch bieten sich mir auf meiner Radtour bezaubernde Landschaftseindrücke. Zwischen den Bergen hindurch radelt man von Tal zu Tal durch Reisfelder und kleine Ortschaften und trifft immer wieder auf den Yulong-Fluss - Zufluss des Li-Flusses, in dessen Wasser sich, traumhaft schön, die Bergspitzen spiegeln. Auf einer Brücke, von der aus sich alles komprimiert aufnehmen lässt, kommt Bärchen endlich mal wieder zum Einsatz und darf posieren. Sehr zur Belustigung einer spanischen Reisegruppe, die nun ihrerseits Fotoaufnahmen macht: von mir bei meinen Fotoarbeiten. Ist ja auch zu komisch – ein infantiler Deutscher auf Reisen in China macht Fotos von seinem Kuscheltier mitten im Nirgendwo. Sind alle Deutschen so bekloppt? Die Erklärung fasziniert sie dann aber so, dass sie darauf bestehen mit dem Bären im Blog verewigt zu werden…
Wer ist jetzt verrückter? Ich glaube damit steht es 1:1. Liebe Spanier – wenn ihr das jetzt lest, es war eine Freude Euch zu treffen und der Bär ist überglücklich :-)
Dreißig Meter weiter ein erneuter Annäherungsversuch, dieses Mal von zwei Chinesen. Nicht hübsch, auch ohne etwas zu verkaufen. Also lasse ich mich auf ein Gespräch ein. Reiseführer, die ihre Dienste anbieten, um mir die Gegend zu zeigen. Keine Lust, denn ich kann ganz gut alleine die Gegend erkunden. Wieder zurück, die Chinesinnen von vorhin. Und dieses Mal bin ich weniger misstrauisch. Berechtigt: sie wollen einfach nur englisch sprechen.
Was macht man, wenn man kein Geld für englische Muttersprachler hat, aber als Staat dennoch will, dass möglichst viele Chinesen die Sprache lernen? Man eröffnet eine Sprachschule mitten in einem idyllischen Dorf, in dem möglichst viele Touristen aus dem Westen absteigen und gibt diese zur Jagd frei. Und das ist wörtlich zu verstehen!
Ich bin zurück im Job und verbringe den Abend als Englischlehrer. Meine beiden Schülerinnen zeigen auch nach 3 Stunden keinerlei Ermüdungserscheinungen. Eine ganz neue Erfahrung: Man erklärt ein Wort und die Augen der – amtsdeutsch – zu Beschulenden werden vor Staunen und Wissbegierde immer größer. Bisher kannte ich nur das Gegenteil – sich schließende Augen!
Zieh Dich warm an, Deutschland! Es warten hier Millionen lerngieriger, junger Menschen voller Enthusiasmus, Motivation und Ehrgeiz etwas zu erreichen. Dagegen steht ein schlapper Haufen unmotivierter deutscher Schüler mit einem Anspruchsdenken vom Feinsten (3000 netto müssen es schon sein) und einer „Leckmich“-Einstellung.
Ich habe jedenfalls jede Menge Spaß und weiß wieder: das ist mein Job! Es sind die Umstände zuhause, die so unglaublich übel sind!
Deutsche werden in der Welt übrigens immer noch als ernste, biertrinkende, vollständig mit Regeln und Gesetzen durchorganisierte, Qualität erzeugende und permanent Auto fahrende Wesen wahrgenommen. In der ersten Lektion lernen wir also die Begriffe „Ruf“ und „Vorurteil“. Es folgen „kommunistische Partei“, „Demokratie“, „Weltkrieg“, „sich ärgern“ und „mediale Beeinflussung“ im Hinblick auf die Japaner. Ein wenig Eigennutz kann ich mir nicht verkneifen und versuche dem deutschen Milchkonsumenten unter die Arme zu greifen. Ich erkläre den beiden Chinesinnen, dass Milchkonsum Zwergenwuchs verursacht – sehr zum Erschrecken der Jüngeren, die geschätzte 1,45 m groß ist. Meine Antimilchkampagne wirkt! Der halbe Süden Chinas ist bereits milchfrei. Angie, Du brauchst nicht herzukommen, das mit den Spielzeugen und der Spionage kläre ich auch noch!
Ich selbst lerne, dass die Ein-Kind-Politik erst Mitte der 80er Jahre eingeführt wurde (was erklärt, dass ich viele Chinesen mit Geschwistern kennen lerne) und dass die Bauern, sollte das erste Kind ein Mädchen sein, einen zweiten Versuch frei haben. Das Erzeugen eines zweiten Kindes durch einen Staatsangestellten führt zur fristlosen Kündigung und zu einer Geldstrafe. Ansonsten versuche ich mehr über das Verhältnis der beiden zum Staat, zur Regierung und zum System allgemein zu erfahren. Ja, sie hätten es gerne anders, aber tun könnten sie nichts. In einem gewissen Rahmen sei es auch möglich zu sagen, dass man nicht einverstanden sei mit den Umständen, jedoch nur soweit, dass man das System als solches nicht in Frage stellt. Insgesamt hätte sich alles jedoch seit einigen Jahren wesentlich verbessert. Die Menschen hätten im Gegensatz zur Mao-Zeit zu essen. Das klingt einigermaßen indoktriniert und auswendig gelernt, obwohl ich ihnen auch einiges davon wirklich glaube. Es scheint einige neue Freiheiten zu geben. Jeder habe es in der Hand aufzusteigen. Die Müllsammler in jedem Dorf und jeder Stadt sprechen jedoch eine andere Sprache!
Auch in den Dörfern sieht es keinesfalls nach Aufstieg aus. Es herrscht bittere Armut, aber dennoch bieten sich mir auf meiner Radtour bezaubernde Landschaftseindrücke. Zwischen den Bergen hindurch radelt man von Tal zu Tal durch Reisfelder und kleine Ortschaften und trifft immer wieder auf den Yulong-Fluss - Zufluss des Li-Flusses, in dessen Wasser sich, traumhaft schön, die Bergspitzen spiegeln. Auf einer Brücke, von der aus sich alles komprimiert aufnehmen lässt, kommt Bärchen endlich mal wieder zum Einsatz und darf posieren. Sehr zur Belustigung einer spanischen Reisegruppe, die nun ihrerseits Fotoaufnahmen macht: von mir bei meinen Fotoarbeiten. Ist ja auch zu komisch – ein infantiler Deutscher auf Reisen in China macht Fotos von seinem Kuscheltier mitten im Nirgendwo. Sind alle Deutschen so bekloppt? Die Erklärung fasziniert sie dann aber so, dass sie darauf bestehen mit dem Bären im Blog verewigt zu werden…
Wer ist jetzt verrückter? Ich glaube damit steht es 1:1. Liebe Spanier – wenn ihr das jetzt lest, es war eine Freude Euch zu treffen und der Bär ist überglücklich :-)
Kommentare
als Hersteller Ihres Bärchens möchten wir ganz offiziell darauf hinweisen, dass unser kinderfreundliches Produkt lediglich für süße Kinderträume vorgesehen ist und wir in keinster Weise beabsichtigt haben, dass unser wertvolles Warensortiment dafür missbraucht wird, reale Begegnungen mit Erwachsenen aufzunehmen (und dann auch noch Spanier mit rasierten Beinen!).
Wir würden Ihnen gerne einen Produktwechsel vorschlagen mit unserem populären Marktführer Barbie aus dem Haus Mattel. Sie ist inzwischen - ähnlich wie Sie - in einem Alter, in dem sie reale und weniger infantile Kontakte mit Menschen aus Fleisch und Blut aufnehmen kann. Sie können notfalls auch auf Ken zurückgreifen.
Wir hoffen, dass Sie unsere Einwände nachvollziehen können.
Linda Steiff von Hohenzollern
Produktpiraterie Ferner Osten
69 Cliff Drive
Santa Barbara
California
USA
der Vorschlag ist grandios.
Aber bedenken Sie auch wie sich dies auf das Mattel-Marketing auswirken wuerde...
Ich plaediere daher fuer die Beibehaltung der Kampagne in dieser Form, da die Persoenlichkeit des Baerchens und des Reisenden sich doch offensichtlich gut ergaenzen!
Mit freundlichen Gruessen
Robert A. Eckert
Mattel, Inc.
333 Continental Boulevard
El Segundo
California
USA